Kapitel 7

SHOUDOU

“…Uh-uhh.”

Ein wenig Zeit war vergangen, seitdem ich mich von Zeno-kun getrennt hatte.

Ich war inmitten einer vollwertigen Mahlzeit: Aus einem Fisch namens Zerabia gemachten Sashimi, das reich an umami[1] war und eine tolle Konsistenz hatte. Es war gewissermaßen das perfekte Gericht. Aber obwohl ich solch ein Meisterwerk gegessen hatte, wurde mein Hunger nicht weniger.

Ich trank sogar das Wasser, das man mir anbot, aber es stillte meinen Durst kein bisschen.

… Ich schätze, mein Körper verlangt nach Blut.

Es war ungefähr eine Woche her, seit ich als Vampir wiedergeboren wurde. Die Ursache für mein Verlangen war höchstwahrscheinlich, dass ich die ganze Zeit keinen einzigen Tropfen menschliches Blut zu mir genommen hatte.

Ich kann die natürlichen Feinde der Vampire wie Sonnenlicht und Wasser mit meinen defensiven Fähigkeiten überwinden, aber gegen diesen Durst kann ich nichts machen.

“Was kann ich tun…”

Die Lösung ist einfach. Es wird mir wieder gut gehen, wenn ich Blut trinke.

Ich kenne die Antwort. Ich kenne die Antwort, aber…

Ich bin ein Abweichler.

Einfach so an einen Fremden herantreten und, “Entschuldigen Sie, aber wären Sie so nett, mich ihr Blut trinken zu lassen?” zu sagen, steht komplett außer Frage.

Sie würden definitiv wegrennen. Wenn ich der Angesprochene wäre, würde ich diese Person der Polizei melden.

“Es könnte ein Fehler gewesen sein, ein Vampir zu werden…”

Während meiner Reise mit Zeno-kun war das Verlangen, Blut zu saugen oft hochgekommen. Ich habe dann immer meinen Appetit mit Wasser und Essen stillen können. Jetzt machte es aber keine Anzeichen, abzunehmen.

… Heißt das, dass der ablenkende Effekt des Essens verloren gegangen ist?

Der Blutsaug-Impuls war nur temporär mit Essen und Trinken unterdrückt worden. Es zögerte nur das Unausweichliche hinaus, wie mein aktueller Zustand zeigt.

“Urks…”

… Selbst wenn ich meine Situation in Ruhe analysiere, wird sie dadurch nicht besser.

Es war nicht nur das Hungergefühl, ich hatte auch noch Kopfschmerzen, meine Sicht verschwamm ein wenig und mir war kalt.

Es fühlte sich ähnlich an wie eine Erkältung begleitet von hohem Fieber, aber es gab einen großen Unterschied.

“Meine Fangzähne… tun weh…”

Mein charmanter Punkt nach meiner Wiedergeburt als Vampir waren diese überdurchschnittlich scharfen Eckzähne.

Mein ganzer Körper beschwerte sich wegen der Kälte, aber nur meine Fangzähne fühlten sich schrecklich heiß und unangenehm an. Sie verursachten dasselbe Unwohlsein wie ein stechender Kratzer.

…Ich muss mich zusammenreißen.

In eine Gasse zu fliehen war eine kluge Entscheidung, wenn ich mich mal selbst loben darf.

Wenn ich an solch einem überlaufenen Ort geblieben wäre, ich hätte wohl die nächstbeste Person gebissen. So plötzlich überkam mich der Blutdurst.

Ich dachte, ich würde es noch ein wenig aushalten, aber ich war nahe an meinem Limit.

Ich plane aber nicht, ein Monster zu werden, das Leute angreift.

… Es ist nicht okay, anderen Umstände zu bereiten.

Ich bin zwar definitiv faul, und es ist auch mein Traum, dass sich jemand um mich kümmert und das Leben eines Nichtsnutzes zu führen, aber ich würde gerne zuerst sicherstellen, dass mich diese Person akzeptiert.

Ich möchte niemandem eine Bürde aufbinden oder Probleme bereiten, der das nicht wünscht.

“Wenn ich nur mein eigenes Blut trinken und dadurch befriedigt sein könnte…”

Ich erinnerte mich an alle Details dieser Fähigkeit. Ich verstand, dass es nichts war, was man auf diese Art umgehen konnte.

Wenn ich beiße, muss ich nicht saugen. Dank der Anhebung des Fähigkeitslevels muss ich so etwas nicht tun und auch keine große Menge trinken. Nur ein wenig würde ausreichen, aber es darf nicht mein eigenes sein.

Ich würde niemals befriedigt sein, solange ich nicht das Blut eines anderen Wesens trinke. Das ist der Fluch eines Vampirs.

Ich, der die Schwächen eines Vampirs wie Wasser und die Sonne überwunden hatte, war immer noch durch diese finale Schwäche beunruhigt.

Sie ist auch nicht durch Heilmagie heilbar, da es keine Krankheit, Verletzung oder Fäule ist. Es ist für Vampire dasselbe wie Atmen. Mit dem Atmen komplett aufzuhören ist keine Heilung.

“Oh, es bringt nichts… Mir wird schon schwarz vor Augen…”

Glücklicherweise sieht es nicht danach aus, dass ich meinem Verlangen unterliegen werde. Mein Bewusstsein schwindet langsam.

Bei diesem Tempo kann ich es vermeiden, Amok zu laufen. Solange ich das Bewusstsein verliere, werde ich anderen keine Probleme bereiten.

“Ah… so müde.”

Das erinnerte mich daran, dass ich noch gar kein Nickerchen gemacht hatte…

Obwohl ich in einer Hintergasse war, blies der Seewind immer noch angenehm über mich. Die flüchtige Note roch ziemlich gut.

Um meinem Hunger zu entkommen rollte ich mich zusammen und schlief ein.

…Ich werde es einfach verschlafen und vergessen.

Ich bin gut im Schlafen. Man könnte es sogar eine Spezialität nennen. Ich gab mein Bewusstsein langsam auf, um zu schlafen. Wo wir gerade dabei sind, Loli Opa-san hatte etwas darüber gesagt, dass man sterben könnte, wenn das Verlangen nach Blut zu groß wird…

Ich fühle mich ein wenig schuldig dafür, durch den mühseligen Prozess der Wiedergeburt zu schreiten, nur um eine Woche nach meiner Geburt in dieser Welt zu sterben… Ich fing erst an, daran zu denken, als mein Bewusstsein dahin schmolz, daher hörten diese Schuldgefühle gegenüber Loli Opa-san auf, mein Problem zu sein.

[1] Umami ist eine eigene Geschmacksrichtung und kann als „fleischig“, „würzig“ oder „wohlschmeckend“ beschrieben werden. Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Umami

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