Kapitel 5

Silberne Entdeckung

“Hey, das schmeckt ziemlich gut.”, sagte die unvergleichliche Schönheit, während sie sich den Mund mit Trockenfleisch füllte.

Aus irgendeinem Grund wurde ich von diesem Mädchen gerettet und nun aßen wir gemeinsam zu Mittag.

… Ich fragte mich, was dieses Kind eigentlich war.

Die Route, auf der ich überfallen wurde, war eine unter Händlern bekannte Abkürzung. Genauer gesagt war es eine alte und ungenutzte Schnellstraße. In der Umgebung gab es nur ein zusammengebrochenes Land.

Die Händlergilde wollte die Straße wieder aufbauen, doch wegen der Banditen und Monster kamen die Reparaturen nicht wie geplant voran. Deswegen war der Weg uneben und die Menge an Überfällen und deren Opfer groß.

Ich war in Eile und deshalb gezwungen, hier entlang zu fahren … Und wie schon erwartet wurde ich angegriffen. Wäre dieses Mädchen nicht vorbeigekommen, wäre ich sicherlich tot.

Ich war zu ein wenig Magie fähig und dachte es würde ausreichen, aber diese drei waren so geschickt, dass mir keine andere Wahl blieb als zu fliehen. Und trotzdem waren diese drei mit einem Tritt weg vom Fenster. Dieses Mädchen … Was zum Teufel war sie? Sie schien ungefähr 13 bis 14 Jahre alt zu sein …

“Vielen Dank, dass du mir sogar Kleidung leihst.”

“S-Schon okay. Es freut mich, dass dir die Größe passt.”

Die Kleider waren eine meiner Waren, ein Magiergewand. Das Mädchen sagte, sie hätte keine Kleidung, also hatte ich ihr eins gegeben.

Sie mochte zwar meine Retterin sein, aber ohne das Gewand wüsste ich nicht, wo ich hinschauen sollte.

… Ihr Körperbau war schon ziemlich gut.

Aufgrund meiner Natur als Händler bin ich durch viele Länder gereist und hatte viele Schönheiten getroffen. Manchmal kaufte ich sogar welche.

Ich glaubte viele schöne Frauen getroffen zu haben, aber dieses Mädchen vor meinen Augen … Um ehrlich zu sein, sie war absolut unvergleichlich.

Von all den Frauen, die ich bisher gesehen hatte, besaß sie das wohl zarteste Gesicht. Ich sah mich zuvor nie als Lolicon, aber das musste ich Wohl oder Übel noch mal überdenken.

Und so kam es dazu, dass ich während des Essens ihre Art das Salz und Öl von ihrer Hand zu lecken als attraktiv empfand. Trotzdem schien sie bisexuell, oder sollte ich es besser undamenhaft oder offen nennen … das ist auch …

“…? Ist etwas?”

“Nein, es ist nichts.”

Ich war wie besessen von ihren scharlachroten Augen und versank nach und nach in ihnen. Nur schwer konnte ich mich dazu bringen, ihr nicht länger direkt in die Augen zu schauen, sondern, aus reiner Höflichkeit, auf ihre Stirn.

Und obwohl sich unsere Blicke nicht trafen, vermittelte mein Blick trotzdem, dass ich ihr ins Gesicht sah.

“Nebenbei, wohin fährst du mit diesem Wagen?”

“Ich fahre zu einer kleinen Stadt namens Alrescha.”

“Shiwakucha?” (Undeutliche Aussprache)

“Ich sagte Alrescha.”

“… Hat dieser Ort ein stabiles Klima, leckeres Essen und Gesetze, die eingehalten werden?”

“Zumindest in diesem Land gehört er meiner Meinung nach zu den besseren.

Es ist eine Küstenstadt, daher ist es dort das ganze Jahr über angenehm, auch wenn die Luft salzig ist.

Ihr Standort an der Küste hat den Handel aufblühen lassen und die Meeresfrüchte sind immer frisch. Die Stadt ist auch für das Land von großer Bedeutung, daher ist auch für die öffentliche Ordnung gut gesorgt. Wenn ich etwas an ihr auszusetzen hätte, dann nur, dass der Landesherr dieser Region ein Frauenmagnet ist.

Nachdem ich ihr all dies erklärte, dachte das silberhaarige Mädchen einen Moment nach, bevor sie antwortete. “… Sashimi klingt gut. Wenn du nichts dagegen hast, könntest du mich dann mitnehmen?”

“Sicher, gerne doch.”

Ich konnte meiner Retterin nichts abschlagen, selbst wenn ich wollte.

Allein schon die Vorstellung mit einem so hübschen Mädchen zu reisen, hätte mich dazu bewegt sie zu fragen, ob sie mich begleiten würde.

“Ach ja, ich habe deinen Namen nicht richtig mitbekommen. Mein Name ist Zeno, Zeno Kotobuki.”

“Ah … ach ja, ein Name …”

“…? Ist etwas?”

Hatte ich etwas Komisches gefragt?

Aufgewühlt fuhr sich das Mädchen durch ihr wunderschönes, silbernes Haar.

… Gab es einen Grund, weswegen sie mir ihren Namen nicht verraten konnte?

An jenem Ort ohne Kleidung zu sein, konnte man nur schwerlich als normal bezeichnen.

Ich konnte nicht von mir behaupten zu wissen, was vor sich ging, aber ich wusste ganz sicher, dass es für all dies einen guten Grund gibt.

Da sie mir nicht sofort ihren Namen nannte, musste es dafür einen beunruhigenden Grund geben.

Ich wusste nichts über mein Gegenüber. Das bedeutete eine große Menge an Unsicherheit; für einen Händler eine große Hürde. Abgesehen vom Aussehen konnte ich nicht erkennen, was in ihr vorging.

… Aber sie war meine Retterin.

Ein Händler ist jemand, der immer ruhig bleibt und doch nie die Höflichkeit vergisst.

Mein Gegenüber hatte mein wichtigstes Gut beschützt, mein Leben. Sogar meine Fracht hatte sie gerettet.

Aber von Profiten konnte absolut nicht die Rede sein. Sie war meine Lebensretterin. Und da sie nicht darüber sprechen wollte, hakte ich nicht weiter nach.

“Ähm …”

“Argento Vampire.”

“Ha?” [TLN: Japanisches Equivalent zu “Hä?” oder “Bitte was?” – So stehen gelassen, weil ich den japanischen Ausdruck passender finde.]

“Ist zu lang… Nenn mich einfach Arge.”

“… Verstanden.”

Der Name war offensichtlich falsch. Diese Schlussfolgerung würde jeder schließen, der dem Gespräch aufmerksam genug folgte.

Trotzdem akzeptierte ich ihn in Schweigsamkeit.

Wichtig war, dass das Mädchen vor mir, meine Retterin, sich trotz allem überwand mir einen Namen zu nennen. Selbst wenn er nicht stimmte, konnte ich ihn nur akzeptieren.

Auf diese Weise verbrachten meine mysteriöse Retterin und ich mehrere Tage zusammen, bis wir in der Stadt Alrescha ankamen.

Hiernach würden sich unsere Pfade mehrmals kreuzen. Doch zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass das Schicksal uns beide wieder zusammenführen würde.

Kommentare sind geschlossen.