Teil 4

Voriger Teil | Projektseite | Nächster Teil

 

Und als Gruß zu meiner Rückkehr richtete er folgende Worte an mich:

“Anscheinend liegt die Wahrscheinlichkeit, dass ich dich in einem halben Jahr liebe bei 0,001 Prozent.”

“Verstehe.”

Das bedeutete, es würde länger als ein halbes Jahr dauern. Das war mein einziger Schluss. Ich wusste bereits, dass ein halbes Jahr nicht ausreichen würde, diesen Mann für mich zu gewinnen, also war ich davon nicht sonderlich überrascht und gestand ihm nur zu, die Fakten aufgelistet zu haben.

Es schien, als wäre er mit meinem Gebaren unzufrieden und etwas von ihr irritiert.

“Ich war mir sicher, dass du mich nicht hasst”, erklärte er.

Anscheinend legte er es darauf an, dass mir die Worte fehlten.

Ich war mir sicher, er wollte Verbitterung und Hass in meinem Gesicht sehen. Und er dachte, seine Gälle und der Gedanke, dass er “gekauft” war, würden das noch verstärken. Doch von Anfang an hatte ich nicht die geringste Absicht, zu handeln wie es erwartete. Denn er war kein Mann, der sich in eine Frau verliebte, die nach seiner Pfeife tanzte.

“Dürfte ich fragen, wie du mich als nächstes umbringen willst?”

Als ich ihn das herausfordernd fragte, stieß er einen schwächlichen Laut aus, als hätte er nie für möglich gehalten, dass ich dies ansprechen würde.

“Willst du getötet werden?”

“Wenn möglich, will ich geliebt werden.”

Das waren zweifelsfrei meine wahren Gefühle. Vor meinen Augen schaltete er seine SmartGlasses an und startete eine Wahrscheinlichkeitsvorhersage.

Die Buchstaben, die ich sehen konnte, lauteten: “Die Wahrscheinlichkeit, dass ich meine Frau töten kann, ohne erwischt zu werden”.

Ich verstand. Das hatte er sich also angesehen. Ich akzeptierte das. Daher kamen also die 40 Prozent vor meiner Abreise.

Nach dem Ende eines erbitterten Streits übergab ich ihm das Souvenir, dass ich stundenlang für ihn ausgewählt hatte. Ich hatte auf den ersten Blick erkannt, dass ihm diese Brille wichtig war, also war ich letzten Endes auf Nummer Sicher gegangen und hatte ihm ein Brillenetui gekauft.

Das Etui war schwarz und mit Leder ausgeschlagen. Auf den Boden hatte ich selbst seine Initialen eingraviert. Das einzige Exemplar davon auf der ganzen Welt, so konnte man sagen. Vielleicht war es so, aber nur dem Anschein nach war es ein Brillenetui, wie man es überall finden konnte.

Und er warf es mit reichlich Schwung in den Müll.

Es war ein Schock. Ein größerer Schock, als ich angenommen hatte. Es war eine Handlung von jemandem, von dem ich nichts hielt, also sollte mir das nichts ausmachen, doch ich biss mir auf die Lippe und sagte nichts mehr.

Eilig ging er zurück in sein Zimmer, aber in der darauffolgenden Stunde bewegte ich mich nicht vom Fleck.

 

Voriger Teil | Projektseite | Nächster Teil

Kommentare sind geschlossen.