Teil 3

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Soweit ich mich erinnern kann, hatte ich keine Mutter. Nachdem sie in eine Familie wie unsere eingeheiratet hatte, war sie direkt nach meiner Geburt gestorben, sodass meine Familie nur aus meinem Vater bestand. Dieser Workaholic, mein Vater, war kaum zu Hause und die Gelegenheiten, bei denen wir gemeinsam gefrühstückt oder zu Abend gegessen hatten, waren so selten, dass ich sie zählen konnte.

Bis ich auf die Oberschule ging, hatte ich mich damit arrangiert. Bis dahin mit der Hausangestellten zu leben, mit der ich gut auskam, war nicht schlecht und sie, die etwa so alt war wie meine Großmutter, verwöhnte mich sehr.

Die Beziehung fußte auf dem Geld, das ihr aufgrund ihres Arbeitsvertrages zustand, aber in dem Alter störte mich das kaum und ich verließ mich auf diese vaterlose “Familie”, die mir gegeben wurde.

Im Frühling meines ersten Jahres an der Oberschule starb sie. Vater meinte, er würde eine andere Bedienstete für das Haus anstellen, aber ich lehnte ab. Denn für mich war sie Familie und hatte eine Bedeutung, die niemand ersetzen konnte.

Mein Vater hatte trotzdem wieder jemanden angestellt. Ich beachtete sie nicht, doch damit änderte mein Vater mein Bild von ihr gewaltsam von “Familie” zu einer bloßen “Angestellten”. Ich hatte meine “Familie” verloren.

Damit begann mein Leben allein.

Das Haus war so groß, dass es schmerzte. Ich aß allein, bereitete mich allein vor und ging zur Schule. Niemand verabschiedete mich oder hieß mich Willkommen und mein Vater, der gelegentlich zurück kam, unterhielt sich nie richtig mit mir.

Wenn ich einfach so sterben würde, würde es überhaupt jemandem auffallen, dass ich nicht länger da war?

Diese Frage wogte in mir auf und ab, allerdings gab sie mir nicht genug Motivation, mir das Leben zu nehmen.

Auf diese Weise gewöhnte ich mich nach und nach an das Leben “allein”.

“Pass auf dich auf.”

Die ersten Worte, in denen es um mein Wohlergehen ging, die ich seit geraumer Zeit gehört hatte.

Zumal der, der sie zu mir sagte, mein liebloser Ehemann von vor ein paar Wochen war und der mir erst gestern damit gedroht hatte, mich zu töten.

Das amüsierte mich aus tiefstem Herzen und erfüllte mich mit einem angenehmen Gefühl.

Da ich das Lachen nicht unterdrücken konnte, lachte ich während der gesamten Taxifahrt. Ich erinnere mich an die angesäuerte Miene des Taxifahrers, als ich mich von ihm verabschiedete. Mein Kopf war leer, abgesehen von dem Gedanken wie ich ihn dazu bringen konnte, sich in mich zu verlieben.

Die Reise dauerte nur ein paar Tage und um ehrlich zu sein hatte ich beim Aussuchen seines Mitbringsels den meisten Spaß.

 

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