Teil 2

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Als wir frisch verheiratet waren, sagte er folgendes zu mir:

“Ich könnte dich töten und all das Geld nehmen, das du mir hinterlassen würdest. Wäre das in Ordnung für dich?”

Ich dachte, dass dieser Mann interessante Sachen sagte. Hätte er das wirklich vorgehabt, würde er es für sich behalten und es einfach tun, aber aus irgendeinem Grund wollte er mein Einverständnis.

In dem Moment, als der das sagte, war ich mir sicher, dass er mich nicht umbringen würde. Aber aus irgendeinem Grund waren seine Augen ernst und ich lachte hemmungslos.

Und so machte ich ein Spiel daraus.

“Schon gut. Ich brauche ja nur dafür zu sorgen, dass du dich vorher in mich verliebst, stimmt’s?”

Ich dachte, es wäre unterhaltsam zu sehen, ob er sich wirklich in mich verlieben würde. Auch wenn ich bezweifelte, dass ich ihn meinerseits lieben würde, konnte ich doch so tun, als wäre ich in ihn verliebt.

Im Gegensatz zu mir war er, der mich ganz unverhohlen hasste, ein unglaublich schlechter Lügner. Ich wusste, dass ich dafür sorgen musste, dass er mich liebte, um einen auf glückliches Pärchen zu machen.

“Ein Spiel, damit er sich in mich verliebt.”

Wenn ich es so betrachtete, begann mir das Eheleben, dass einzig und allein der Absicht diente, ein Kind zu zeugen, Spaß zu machen. Wie merkwürdig.

“Soll ich es so aussehen lassen, als wäre ich allein verreist und dich töten? Anscheinend hat man dabei in 40 Prozent der Fälle Erfolg.”

Die Reise ins Ausland hatte ich schon vor der Hochzeit geplant. Am Tag vor der Abreise sagte er dies zu mir. Ich hatte keine Ahnung, was es mit diesen 40 Prozent auf sich hatte, aber anscheinend dachte er wieder daran, mich umzubringen.

Und wieder einmal gab er es offen zu. Was für ein merkwürdiger Mann.

Ich antwortete darauf, was ich für angemessen hielt und damit ging der Tag zu Ende.

Am nächsten Morgen nahm ich meine Tasche und ging aus meinem Schlafzimmer im zweiten Stock hinunter ins Wohnzimmer. Ich war überrascht, wen ich dort vorfand.

“Morgen.”

“… Guten Morgen.”

Er, der vor ein paar Wochen mein Ehemann geworden war, saß friedlich dort.

Ich war so überrascht, dass mir die Worte fehlten. Er warf mir einen finsteren Blick zu und fragte: “Bist du nicht spät dran?”

Wegen seines Drängens eilte ich durch’s Wohnzimmer, bevor ich mich umdrehte.

“… Man sieht sich?”

“Mh.”

Der Grund, aus dem meine Worte als Frage formuliert waren, war der, dass ich mir nicht sicher war, ob er früher aufgestanden war, um mich zu verabschieden, oder nicht.

Er nickte nur und wiederholte meinen Abschiedsgruß nicht. Doch die Worte, die ich vor dem Schließen der Tür vernahm, verblüfften mich.

“Pass auf dich auf.”

Das war alles. Aber mir bedeuteten diese Worte viel.

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