Ch01 – Akzeptanz

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Der Wind war an diesem Tag sehr stark und wehte einer Person, die an einer Brücke stand, die Haare ins Gesicht. Diese Person hatte Tränen in den Augen und starrte auf den Boden. „Ich werde es heute tun! Ich werde es heute endlich tun!“, sagte eine eigentlich ganz normale junge Frau, die auf der Brücke stand. Ihr Herz fing laut an zu pochen, als sie das Brückengeländer hoch kletterte und dann anfing zu lächeln.

„Das ist der 15. Versuch, heute muss es endlich klappen! Ich werde heute nicht versagen, ich schaffe das. Ich traue mich! Heute wird alles endlich ein Ende haben.“, dachte sie und fing wieder an zu weinen. Die Tränen flossen ihre Wangen entlang. „Mein Leben hat keinen Sinn mehr! Alles ist schief gelaufen! Der Autounfall, bei dem ich meine Eltern und meinen kleinen Bruder verloren habe. Dann das sich meine Verwandten einen Dreck um mich scheren und das ich… das ich…“, bei diesem Gedanken musste sie schlucken, dann schüttelte sie den Kopf, um den Gedanken zu verscheuchen, doch das gelang ihr nicht.

„Wieso muss ausgerechnet ich auf Frauen stehen… Ich hasse mich dafür! Für die anderen bin ich ein Scheusal! Ich hasse mich selbst dafür… Ich wollte das nicht. Wieso bin ich nicht normal auf die Welt gekommen?“ Sie schaute wieder auf den Boden unter ihren Füßen, „Nach dem Sprung komme ich in eine andere Welt. Morgen würde sich doch keiner an mich erinnern. Ich bin überhaupt nicht wichtig, man würde nicht einmal nach mir suchen. Meine Leiche würde erst in ein paar Jahren gefunden werden und alle würden sich die Frage stellen, „Wer war diese Person?“ Für mich würde es nicht einmal einen schönen Grabstein geben oder eine Todesanzeige.

Sie atmete noch ein letztes Mal hörbar tief ein. „Jetzt oder nie“, sagte sie. Auf einmal ließ diese junge Frau sich nach vorne fallen und schloss dabei ihre Augen. „Stop!“, schrie jemand ganz in der Nähe. Doch sie hatte weiterhin die Augen geschlossen, da sie selbst nicht mehr den Fall bremsen konnte. Mit einem Mal hielt sie jemand am Arm fest und zog sie wieder auf das Brückengeländer. Diese Person ging vorsichtig mit der jungen Frau vom Geländer runter, doch sie wehrte sich im ersten Moment. Dann ließ sie sich freiwillig nach unten tragen, da sie merkte, dass sie keine Chance gegen die Körperkraft ihres Retters hatte.

„Könnten Sie mich bitte loslassen?“, sagte die junge Frau genervt und riss sich von der Fremden los. Diese starrte sie nur mit böser Miene an und seufzte dann laut. „Wieso wolltest du springen?“ War es etwa eine Mutprobe zwischen dir und deinen kleinen Freunden? Oder hattest du etwas anderes im Sinn?“ wollte die Fremde wissen, ohne sich großartig zu bewegen, sie stand einfach nur vor ihr, die Hände verschränkt, wie eine Statue. „Wieso sollte ich Ihnen das erzählen? Haben sie nicht eigene Probleme, um die Sie sich kümmern sollten?“ sie wandte sich ab und ging die Straße entlang. „Morgen springe ich lieber vor einen Zug, so kann ich nicht gerettet werden. Heute will mich auch jeder verarschen.“, flüstert die junge Frau vor sich her.

Sie wollte sich gerade umdrehen, als sie bemerkte, dass sie verfolgt wurde. Daraufhin fing sie an zu rennen, doch stolperte sie über ihre eigenen Füße. Sie blieb einfach liegen und ihre Gedanken drehten sich schlagartig. „War das nicht die Frau von gerade eben? Wieso verfolgt sie mich? Warum hat sie mich überhaupt gerettet? Denkt sie jetzt, ich sei ihr etwas schuldig?“. Sie wollte sich gerade wieder aufraffen, als sie jemand an der Schulter festhielt, sie erschrak sich und schrie laut auf.


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