Kapitel 2

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Die Fähigkeit zu besitzen sich in der Zeit frei zu bewegen. Etwas, das ich mir niemals hätte ausmalen können. Nur wie es funktionierte, musste ich noch herausfinden. Ich fing an zu grinsen. Irgendwie wurde mir ganz warm um’s Herz. Das kleine Mädchen zu sehen hatte mich glücklich gemacht. Ich wollte ihr helfen, aber ich wusste nicht, wie ich das anstellen sollte.

Es war schon spät, als ich schlafen ging. Die Nacht verlief ohne besondere Vorkommnisse. Am nächsten Morgen war ich noch etwas angeschlagen. Irgendwie musste ich aber herausfinden, wie ich meine neue erworbene Fähigkeit nutzen konnte. War das ein Test? War ich die richtige Person für diese Mission? Für meine selbst auserwählte Mission? Ich lief in Richtung Badezimmer um duschen zu gehen. Meine Sachen legte ich an die Seite. Ich zog mein Oberteil über dem Kopf aus und bemerkte etwas um meinen Hals. Es war eine Halskette. Wo kam die denn her? Reflexartig griff ich nach der Kette. An ihr hing ein Anhänger mit einer blauen Kugel. Ob die mir bei meinen Zeitsprung hilft? Schnell zog ich mich wieder an. Ich wollte keinen ungewollten Zeitsprung machen. Mitten auf dem Schulhof ohne ein Oberteil wäre mir ziemlich unangenehm gewesen. Die Probleme, die es mit sich bringen würde, wollte ich mir garnicht ausmalen. Instinktiv griff ich wieder nach der Kette und schloss meine Augen. Wieso ich das tat, wusste ich nicht. Ich konzentrierte mich auf den Schulhof meiner ehemaligen Grundschule.

Ein stechender Schmerz durchzog meinen Kopf. Ich hörte die Pausenglocke läuten. Als ich meine Augen öffnete, sah ich, wie die Kinder hinaus rannten. Ich drehte meinen Kopf nach links und schaute auf die große Uhr. Es war halb zwölf. Ich sah, wie das Mädchen die Tür öffnete und auf den Pausenhof lief. Ein warmes Gefühl überkam mich. Sie schaute sich um und lief dann die Unterdachung entlang. Sie war wieder alleine. Mir tat es im Herzen weh sie so zu sehen. Ich lief ihr mit etwas Abstand nach. Mir war nicht bewusst, ob mich jemand wahrnahm. Jemand Fremdes auf dem Pausenhof würde ja auffallen. Was sollte ich den Lehrkräften erzählen? Ich schüttelte den Kopf und wollte meine Mission erfüllen. Das Mädchen lief nach links zu einen Busch. Ich konnte mich noch ganz genau daran erinnern, was hinter dem Busch war. Sie kletterte auf die kleine Mauer und schaute sich drei kleine Äffchen im Käfig an. Ich beobachtete das Mädchen eine ganze Weile. Es wärmte mir mein Herz. Dort auf der Mauer stand sie, stellte sich auf die Zehenspitzen und streckte ihre kleine Hand Richtung Käfig. Schlagartig wurde sie von der Mauer gezogen. Eine kleine Gruppe von Kindern schubste sie an die Seite und kletterte auf die Mauer. Ein Mädchen mit dunklem Haar zog ihr plötzlich an den Haaren und schubste sie. Ich machte einen großen Sprung nach vorne und versuchte zu dem Mädchen zu rennen. Ihre Trauer war ihr ins Gesicht geschrieben. Ich wollte sie in den Arm nehmen, sie trösten, brachte jedoch kein Wort heraus. Meine Stimme war verstummt. Ich konnte mich nicht bewegen. Ein leichter Schwindel überkam mich. Unerwartet stand ich mitten in meinem Wohnzimmer. Ist ein Zeitsprung zeitlich begrenzt? Ich griff nach meinem Handy und schaute auf die Uhr. Es waren zwanzig Minuten vergangen. Sorgfältig sammelte ich alle Informationen, die ich bis jetzt zusammengetragen hatte. Ob ich dadurch die Zeitsprünge besser kontrollieren können würde, wusste ich noch nicht.

Meinen normalen Tagesablauf durfte ich nicht vernachlässigen. Meine Notizen verstecke ich sorgfältig. Wieso ich das machte, konnte ich mir nicht erklären. Vielleicht hatte ich Angst, dass jemand herausfinden würde, dass ich mich durch die Zeit bewegen konnte. Es konnte aber auch sein, dass ich Angst vor den Konsequenzen hatte. Auch wenn ich nicht wusste, wie diese aussehen würden.

Es vergingen einige Tage, bis ich mich wieder für einen Zeitsprung bereit machte. Ob es diesmal klappen würde, wusste ich noch nicht. Ich nahm die Kette in die Hand, schloss meine Augen und konzentrierte mich auf den Schulhof. Ein leichter Druck in meinen Kopf kam auf. Es war still um mich herum. Langsam öffnete ich meine Augen wieder und da stand ich mitten in meinem Wohnzimmer. Es war nichts passiert. Hatte ich etwas falsch gemacht? War mir meine Fähigkeit, mich in der Zeit zu bewegen, genommen worden? Ich konnte es mir nicht erklären. Was hatte ich diesmal anders gemacht als zuvor?

 

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