Kapitel 1

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Es gab da mal ein Mädchen, das mich nervte. Ich mochte sie nicht besonders, weil sie schwach war. Sie war ruhig, ihre Meinung hatte keinen Wert. Keiner interessierte sich für sie. Dieses Mädchen war immer alleine. Sie hatte keine richtige Familie. Ein Außenseiter auf ganzer Linie. Das schwarze Schaf. In der Schule wollte keiner neben ihr sitzen, weil sie mit niemanden sprach. Alle nannten sie Zigeuner. Keiner fragte, wie es ihr ging. Sie wollte eigentlich mitspielen oder vom Lehrer gefragt werden, ob alles in Ordnung sei, aber keiner fragte sie und niemand bemerkt etwas. Sie war immer alleine in der Schule. Die Lehrer hatten sie aufgegeben, ihre Noten waren nicht besonders gut. Dieses Mädchen weigerte sich in der Schule zu sprechen. Zu Hause musste dieses Mädchen sich um ihre jüngeren Geschwister kümmern. Ihr jüngster Bruder war gerade einmal sechs Monate alt. Sie selbst war gerade erst sieben Jahre alt. Sie musste ihn beschäftigen, ihn füttern und abends warten bis er eingeschlafen war. Erst danach durfte sie ins Bett gehen.

 

Hätte ich dieses Mädchen nur vorher gekannt, hätte ich ihr helfen können. Ihr eine Perspektive für die Zukunft geben können. Sie wäre nicht verwahrlost. Ich frage mich, ob es möglich wäre in die Vergangenheit zu reisen?

 

Schlagartig bekam ich Kopfschmerzen. Mir wurde schwarz vor Augen. Für einen Moment musste ich mich hinsetzen. Ich griff nach dem Handy und rief auf der Arbeit an. Ich musste mich für heute krank melden. Mein Kreislauf zwang mich geradewegs dazu. Vorsichtig legte ich mich ins Bett. Kurz dachte ich noch an das Mädchen, dass ich nicht besonders mochte, ehe ich meine Augen schloss.

 

Kindergeschrei dröhnte mir durch den Kopf. Ich öffnete meine Augen wieder. Da stand ich nun mitten auf einen Schulhof. Wie bin ich hier hergekommen? Ich schaute mich um. Dieser Schulhof kam mir bekannt vor. Heute sieht er aber nicht mehr so aus. Das wusste ich. Ich stand auf den Schulhof der Grundschule, auf der ich selbst als Kind gewesen war. Vor so viel Nostalgie kamen mir die Tränen in die Augen. Ich wusste nicht, wie ich hier hergekommen war oder ob ich nur träumte. Geistesgegenwärtig ging ich zu einem Baum. Das Mädchen, das ich nicht besonders mochte, war oft hier gewesen. Daran erinnerte ich mich. Sie saß alleine unter der Birke. Versteckt im Gebüsch hatte sie dort immer ihr Pausenbrot zu sich genommen. Ich sah das Mädchen dort sitzen und mir flossen die Tränen über das Gesicht. Mit der Hand wischte ich die Tränen wieder weg und kniete mich vor das Kind. Ich sprach sie an und sie schaute nun zu mir. Meine Gefühle gingen mit mir durch. Das kleine Mädchen packte ihre Brotdose zusammen und wollte gerade aufstehen. „Warte einen Moment“, sagte ich mit sanfter Stimme. „Ich werde dir nichts tun. Ich möchte deine Freundin sein.“ In diesem Moment läutete die Pausenglocke. Das Mädchen stand auf, lächelte mich an und lief dann zu ihrem Aufstellplatz. Einige Zeit schaute ich ihr hinterher. Sie drehte ihren Kopf und winkte mir zu. Ich lächelte sie an und sie ging mit ihrer Lehrerin in das Klassenzimmer.

 

Wieder wurde mir schwarz vor Augen. Als ich meine Augen öffnete, war ich in meiner Wohnung. Ich lag auf meinem Bett. Genau an der Stelle, an der ich mich hingelegt hatte. War das alles doch nur ein Traum gewesen? Es hat sich so real angefühlt. Aber man kann nicht durch die Zeit springen, oder etwa doch?

 

Ich griff nach meinem Laptop und recherchierte im Internet, obwohl ich es für sehr unrealistisch hielt. Ich konnte nicht aufhören zu suchen. Irgendetwas trieb mich vorwärts. Die Zeit verging wie im Flug, aber ich konnte nichts finden. Gerade als ich aufgeben wollte, sprang ein Pop-Up Fenster auf meinem Bildschirm auf.

 

Ich wollte es wegdrücken, aber das ging nicht. Ein schwarzer Bildschirmhintergrund sprang auf. Ich war etwas genervt, aber gleichzeitig auch neugierig. Der Mauszeiger setzte sich in Bewegung und Buchstaben erschienen auf den Bildschirm. Ich erlaube dir Zeitsprünge. Ich traute meinen Augen nicht. Ich behielt den Bildschirm weiter im Blick. Du kannst dich in der Zeit bewegen. Ob gezielt oder ungezielt, hängt von dir ab. Du besitzt die Fähigkeit dich problemlos zu bewegen, aber die Konsequenzen wirst du selbst tragen müssen. Handle nicht unüberlegt. Ein Zeitsprung ist in der Regel ungefährlich für dich. Wie er funktioniert, ist von dir abhängig. Du bist auserwählt worden, um deine Mission zu beenden. Ich werde dich im Auge behalten. Ich konnte mir gerade nicht erklären, was passiert war. Habe ich alles nur geträumt oder war das gerade wirklich passiert?

 

Ich legte mich wieder ins Bett, den rechte Handrücken auf der Stirn. Leichte Kopfschmerzen überkamen mich. Ich hatte kein Zeitgefühl mehr. Wie spät war es überhaupt?

 

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