Ch 9 – Eine Stimme

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Chapter 9 – Eine Stimme

Takuya Nakamura

Ich schaue Yumi-chan mindestens genauso überrascht an, wie Tomoda. Sie schaut mir fest in die Augen und, so als würde sie keinen Widerspruch dulden, nickt mir noch mal auffordernd zu.

Tomoda steht da wie bestellt und nicht abgeholt. Irgendwo in meinem Inneren breitet sich ein Gefühl des Sieges aus. Ich mache einen Schritt vor und schaue ihr in die Augen. Mit Vergnügen sehe ich wie sich ihre Wangen rot färben. „Klar, es ist schon spät … Wir sollten gehen!“, antworte ich, meine Stimme samtig weich. Mit einem kleinen Lächeln verabschiede ich mich von Tomoda: „Bis morgen dann! Gute Nacht.“ Ich kann förmlich spüren, wie er sich anspannt. „Soll ich euch noch begleiten?“, fragt Ken mit einem unsicheren Blick. Ich schaue zu Yumi, die ihren Blick schweifen lässt. „Ich glaube nicht, dass das nötig ist … Takuya-kun schafft es sicher alleine mich zu meinem Zimmer zu bringen. Außer … du möchtest nicht alleine zurück ins Wohnheim …!“, sagt sie versöhnlich und lächelt ihn an.

Ich sehe wie seine Wangen sich rot färben und ziehe die Augenbrauen hoch.

Ach… „Nein, nein! Das wird nicht nötig sein!“, ruft Ken aufgeregt und hebt die Hände, mit denen er hastig abwinkt. Yumis Lächeln wird breiter und sie kichert etwas. Plötzlich räuspert sich Tomoda neben uns. „Komm Mitsukenshi-kun, gehen wir!“, murmelt er und geht voraus. Überrascht schaue ich ihm nach. Ken wirft mir und Yumi noch einen schnellen Blick zu, ehe er Tomoda folgt.

Und dann … sind wir alleine. Im Schein der Laternen stehen wir da und schweigen. In der Stille wird mir umso bewusster, dass wir wirklich alleine sind und geschützt vor Blicken unter den Bäumen. Ich schaue auf und blicke zu ihr hinüber. Sie steht da, genau unter einer Laterne und wird von oben angestrahlt, wie von einem Scheinwerfer. Sie räuspert sich und ich zucke unwillkürlich zusammen. „Wir sollten zurückgehen …“, murmelt sie leise und ich höre in ihrer Stimme ihre Unsicherheit. Sie schaut mich an und ich nicke. Vorsichtig setzt sie sich in Bewegung und ich folge ihr. Schweigend gehen wir nebeneinander her. „Wie ist es, sich mit Mitsukenshi-kun ein Zimmer zu teilen?“, fragt sie plötzlich und zerreißt damit die Stille zwischen uns. Ich überlege einen Augenblick und suche die richtigen Worte. „Unkompliziert. Ich bin froh, dass wir zusammen auf einem Zimmer sind. Ich war deswegen an meinem ersten Tag ein bisschen nervös.“, antworte ich. „Tatsächlich? Ich habe es bei unserem kleinen Gespräch gar nicht so aufgefasst, als wärst du nervös gewesen.“, entgegnet sie mir und ich kann das Lächeln in ihrer Stimme hören. Auch ich muss grinsen. „Um ehrlich zu sein, hatte ich in dem Moment auch was anderes im Kopf. Schließlich hab’ ich da gerade jemanden mit meinem Rucksack zu Boden geschlagen.“, sage ich und muss mir das Lachen verkneifen. Doch sie lacht auf und bleibt plötzlich stehen.

Ein paar Schritte vor ihr bleibe ich ebenfalls stehen und drehe mich zu ihr um. „Das hat ganz schön wehgetan! Ich hab’ bestimmt immer noch blaue Flecken überall!“, ruft sie und stemmt die Hände in die Seite. „Ich kann ja mal nachsehen!“, entgegne ich schneller, als ich die Worte in meinem Kopf durchdacht habe. Sie starrt mich sprachlos an, ehe sich ihre Wangen rot färben. Sie streicht sich eine Strähne hinters Ohr und knabbert nervös an ihrer Lippe. „Entschuldige.“, sage ich. Sie lacht nervös und schaut mich wieder an.

Vorsichtig mache ich einen Schritt auf sie zu. „Es tut mir wirklich leid …“, murmle ich. Ich stehe direkt vor ihr und schaue zu ihr hinunter. Sie schaut hoch und blickt mir in die Augen. „Takuya-kun …“, flüstert sie. Ich will mich ihr nähren… Ich will ihr nah sein … Nur für diesem Moment will ich vergessen …

„Takuya-kun…“, flüstert sie. „Vergiss mich nicht …“ Erschrocken mache ich einen Schritt zurück. Mein Atem geht schneller und mein Herz pocht in meiner Brust. Verdammt! „Takuya-kun? Ist alles in Ordnung …?“,fragt Yumi mich unsicher und hebt die Hand. Ich weiche zurück. Ich habe sie fast vergessen … Meinen Grund warum ich an diese Schule wechseln wollte … Seit 2 Jahren hab’ ich sie nicht mehr gesehen und trotzdem … verfolge ich immer noch dieses Ziel. Um sie zu retten … Mai …

 

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