Ch 08 – Der Moment danach…

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Chapter 08 – Der Moment danach…

Yumi Ayamoto

 

Mitsukenshi-kuns Stimme hallt über den leeren Gang. Noch immer kann ich Takuyas Atem und seine Lippen an meinem Hals spüren. Die plötzliche Hitze, die von ihm ausgegangen ist, wird jetzt von meinem Körper schmerzlich vermisst. Ich wünschte, er würde mich wieder berühren, doch stattdessen steht er einen großen Schritt von mir entfernt.

Sein Blick ist von mir abgewandt. Starr blickt er in die Richtung, aus der Mitsukenshi-kun gerade kommt. „Ehm … Ich wollte nicht stören…, aber … ehm …“, beginnt er, als er bei uns ankommt. Takuya räuspert sich neben mir.

„Alles gut … Was gibt es, Ken?“, fragt er etwas außer Atem. In mir herrscht ein riesiges Chaos, während ich versuche meinen Blick von Takuyas Seitenprofil zu nehmen. „Ehm … ja … Tomoda-san sucht euch. Beziehungsweise sucht er Yumi-chan.“, sagt er kleinlaut und schaut mich an. Ich hole tief Luft und schenke ihm ein Lächeln. „Ich glaube, er wollte sich entschuldigen … Er fragt, ob du ihn immer noch begleiten würdest. Er wusste, dass er diesen Trakt nicht betreten darf, deswegen habe ich ihm angeboten dich zu suchen …“, erklärt er und wirft Takuya-kun einen kurzen Blick zu.

Vorsichtig dreht sich dieser zu mir um. Seine Wangen sind gerötet, doch er hält den Blick gesenkt. Warum schaut er mich nicht an …? Ich hole tief Luft. „Takuya-kun wird mich begleiten. Möchtest du auch mitkommen, Mitsukenshi-kun?“, frage ich ihn und gehe langsam an Takuya-kun vorbei. „Ehm … Klar!“, antwortet mir der Junge mit der Brille. Ich gehe mit erhobenem Kopf an den beiden Herren vorbei und gehe voraus. Hinter mir höre ich, wie Takuya tief Luft holt und mir folgt.

Der Weg zu einer der Sporthallen dauert nicht lange. Auf dem Weg dorthin schweigen wir alle drei. Die Stille ist unangenehm, allerdings sehe ich, als ich mich nach Takuya umdrehe, dass dieser sich interessiert umsieht.

Erst kurz bevor wir die Halle betreten, findet er seine Sprache wieder. „Wie groß ist dieses Schulgelände eigentlich?“, fragt er und man hört Verunsicherung in seiner Stimme. „Auf unserem Schulgelände befinden sich vier Sporthallen, zwei Ställe, ein Dojo, eine Schwimmhalle, ein großer Sportplatz zusätzlich zum Schulgebäude und den Wohnhäusern. Und das Gelände grenzt an einen Wald, der zum Teil auch noch zur Schule gehört. Allerdings wird der größtenteils zum Ausreiten oder ähnliches genutzt.“, antwortet ihm Mitsukenshi-kun, während ich erstaunt zuhöre. Selbstverständlich war ich mir der Größe bewusst, aber es noch mal so zu hören, war wieder was ganz anderes. „Wow … Da muss man ja richtig aufpassen, dass man sich nicht verläuft!“, entgegnet Takuya und lacht etwas nervös.

„Auf unserem Zimmer hängt an der Tür ein Plan des Schulgeländes. Ansonsten findest du alles in deiner Einführungsmappe, die du mit der Einladung zum 1. Schultag bekommen haben müsstest.“, fährt der Kleine fort. Takuya schaut ihn einen Moment lang an, ehe er anfängt laut zu lachen. „Oder ich halte mich einfach an meinen Mitbewohner, der anscheinend die Mappe auswendig kennt!“, sagt er und legt Mitsukenshi- kun einen Arm um die Schulter. Ich atme tief ein und genieße die ungezwungene Atmosphäre, die bis vor einem Moment noch so angespannt war.

Auch mir stiehlt sich ein Lächeln auf die Lippen, während ich zusehe wie Mitsukenshi-kun unter Takuyas Arm dunkelrot anläuft und versucht ihn wegzuschieben, während der ihn immer mehr an sich drückt. Der Anblick ist so witzig, dass ich anfange hinter vorgehaltener Hand zu kichern. Takuya hebt plötzlich den Blick und schaut mich direkt an. Mir stockt der Atem. Seine Augen schimmern im Licht der restlichen Sonnenstrahlen. Sie sind unergründlich und ich wünschte, ich wüsste, was er gerade denkt. Seine Lippen bilden sich zu einem Lächeln und ich atme aus. Er nickt mir aufmunternd zu und lockert seinen Arm, so dass Mitsukenshi-kun entkommen kann.

„Da seid ihr ja!“, ruft hinter uns jemand und als ich mich umdrehe sehe ich Tomoda-kun, wie er gerade aus der Halle tritt. „Ich möchte mich für mein Benehmen vorhin im Speisesaal entschuldigen!“, sagt er, als er bei uns ankommt. Er verneigt sich vor unserer kleinen Gruppe, während wir ihn überrascht anschauen. Mein Blick wandert zu Takuya, der den verneigten Tomoda-kun anstarrt. Sein Blick ist hart und seine Lippen zu einem schmalen Strich verzogen. Ich sehe, wie er nachdenkt, ehe er schließlich seufzt.

„Ich hätte mich vorhin auch zusammenreißen müssen. Mir tut es auch leid!“, antwortet er, was mich nur noch mehr überrascht. Tomoda-kun hebt den Blick und die beiden schauen sich direkt in die Augen. Irgendwas scheinen sie sich mit ihren Blicken zu sagen, etwas das mir Unbehagen bereitet, doch ehe ich dazwischen gehen kann, wenden beide den Blick ab. Tomoda-kun wendet sich mir zu. „Danke, dass du gekommen bist. Leider musste ich grad die Halle abgeben. Es finden wohl bald Wettkämpfe beim Volleyball statt und diese Halle hat alles dafür da. Tut mir leid, dass du extra gekommen bist, aber wenn du möchtest könnten wir noch spazieren gehen … Natürlich nur, wenn dein Schatten dich mal aus den Augen lässt …“, sagt er und schaut wieder zu Takuya, der uns beide beobachtet. Ich denke einen Augenblick lang darüber nach, ehe ich Tomoda-kun antworte. „Verzeih mir, Tomoda-kun … Aber ich bin erschöpft und würde mich wirklich sehr gerne hinlegen. Der Tag war lang und der Unterricht beginnt morgen. Da möchte ich ungerne unausgeruht sein. Ein anderes Mal, gerne!“, antworte ich, ehe ich Takuya-kun erneut ansehe.

„Bringst du mich bitte auf mein Zimmer, Takuya-kun?“, frage ich leise.

 

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