Ch05 – Mein glühendes Inneres

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Chapter 05 – Mein glühendes Inneres 

Takuya Nakamura


Sie sieht wirklich umwerfend aus in diesem Kleid. Völlig sprachlos kann ich nichts weiter tun, als sie anzustarren. Ob ihr bewusst ist, dass sie nur durch das Tragen dieses Kleides jeden Jungen an dieser Schule haben könnte, wenn sie wollte. Dass jeder von ihnen davon träumen würde hier in ihrem Zimmer zu sitzen und sie anzuschauen, während sich ihre Wangen langsam so niedlich rot färben?

Das Kleid passt sich perfekt an ihren wohlgeformten Körper an und lässt meiner Fantasie wenig Spielraum was ihre Kurven angeht. Ihre helle Haut schimmert durch den hellblauen Stoff, lässt sie wie Seide leuchten und die hellroten Wangen verleihen ihr ein unschuldiges und niedliches Aussehen, was etwas in meinem Inneren aufleben lässt.

Ein Glück war Ken hier, denn so langsam gehen meine Gedanken mit mir durch. Hart schluckend wende ich den Blick ab und balle eine Faust. Ich muss mich zusammenreißen, rufe ich mir in Gedanken selbst zu. Tief Luft holend stehe ich auf und halte ihr meine geöffnete Hand hin. „Können wir essen gehen, gnädiges Fräulein?“, frage ich sie und neige den Kopf. Sie kichert verlegen, der Schimmer auf ihren Wangen wird dunkler und sie legt ihre kleine, zarte Hand in meine. Wundervoll warm und weich schmiegt sie sich perfekt in meine und ich muss den Impuls unterdrücken sie mir an meine Wange zu halten, um sie besser zu spüren.
Kann es wirklich sein, dass ich sie erst einen Tag lang kenne? Wieso macht mich ihre Gegenwart so verrückt und lässt mich Dinge denken, die mein Herz zum Rasen bringen?

Langsam ziehe ich sie näher. Ihr Duft weht zu mir rüber und ich muss hart schlucken. In ihrer Nähe verliere ich den Verstand und die Kontrolle über mich selbst. Nur wenige Zentimeter trennen ihren Körper von meinem und ich kann ihre Wärme spüren.

Ich schaue in ihre wunderschönen blaugrünen Ozeanaugen und verfluche jetzt den Umstand, dass Ken hier ist. Wären wir alleine, würde ich mich in ihren Augen verlieren wollen und mich selbst vergessen. „Wunderschön…“, flüstere ich ihr stattdessen zu, lasse sie los und trete einen Schritt zurück. Ich muss mich zusammenreißen!, schießt es durch meinen Kopf.
Verlegen und vielleicht mit etwas Trauer in den Augen schaut sie auf die Hand, die ich einen Moment vorher noch in meiner hielt. Ich drehe mich um und gehe entschlossen durch das Zimmer auf die Tür zu. In meinem Rücken spüre ich ihren Blick und ein Schauern durchzieht mich. Sie bringt mich wirklich noch um den Verstand.

 

Den Weg über zum Speisesaal versuche ich zwischen sie und mich mehr Abstand zu bringen. Ihre Augen und ihr Duft ließen mich Dinge denken, die alles andere als jugendfrei waren und sie lenken mich von dem ab, wofür ich eigentlich hier bin.
Doch immer wieder werfe ich einen unauffälligen Blick auf sie, während sie etwas vor mir geht und sich angeregt mit Ken über irgendwelche Kleider unterhält. Ihr langes Haar streift ihren Hals und schwingt im Takt ihres Schrittes hin und her.

Ich hole auf und kann sie nun von der Seite betrachten. Mein Blick streift ihren Hals und wandert von ihrem Kinn zu ihren Lippen. Weich schimmernd wirken sie im Licht. Voll und geschmeidig sehen sie aus und ich habe das dringende Bedürfnis sie mit meinen zu berühren. Nur um zu wissen, ob ich recht hatte…

Schnell wende ich den Blick ab. Schluss jetzt!

Ich sollte weder an ihre Lippen, noch an sonst was von ihr denken. Ich bin hier an dieser Schule, weil ich einen Traum hatte und der nennt sich nicht Ayamoto, Yumi.

 

Im Speisesaal wird es schlagartig still, als wir mit Yumi-chan zusammen durch die Tür treten. Alle Blicke richten sich auf uns und fast genauso wie Frau Kato es vorausgesagt hatte, sind einige der Blicke, die meinen begegnen, feindselig und fast schon hasserfüllt. Innerlich muss ich fast schon ein bisschen lächeln. Diese verwöhnten, reichen Kinder wussten nicht wie es auf einer staatlichen Schule zuging, wenn man nur die besten Noten in allen Fächern hatte. Ich lasse mich nicht so einfach einschüchtern und halte den Blicken stand. Einige wenden sich ab und murmeln dabei etwas. Andere Blicke werden härter und stechender.

Ich seufze und stelle mich beschützend vor das Objekt ihrer Begierde, das immer noch mit Ken plappert und von all dem gar nichts mitzubekommen scheint.
Fast lache ich laut auf, als ich sehe, dass einige von ihnen sich den Hals verbiegen um sie doch noch zu sehen oder die Zähne zusammenbeißen.

Ken führt Yumi-chan an die Essensausgabe und reiht sich in die Schlage mit ein. Ich folge beiden, während ich mich von den Blicken zerfleischen lasse.

„Ich hoffe, dass es hier besser schmeckt als an meiner alten Schule.“, höre ich sie Ken zuflüstern, während sie das Essen betrachtet.

„Warst du denn vorher an einer öffentlichen Schule?“, frage ich überrascht und nehme mir einen der verpackten Salate aus dem Regal. Sie schüttelt den Kopf und nimmt sich ebenfalls einen, den sie auf ihr Tablett stellt. „Nein, aber das Essen war trotzdem schrecklich. Ich hatte Glück, dass unsere Köchin von zu Hause Erbarmen mit mir hatte und mir jeden Tag ein Bento zubereitet hat, sonst wäre ich womöglich noch verhungert.“, antwortet sie und lächelt mich schief an.

Ich muss ebenfalls lächeln, ein Bento auf einer reichen Schule, kann ich mir nur schwer vorstellen.

„Kannst du denn kochen, Ayamoto-san?“, fragt Ken sie und balanciert sein Tablett mit einem vollen Teller zu einem der freien Tische. Yumi-chan und ich folgen ihm.
„Ich versuch es zumindest. Aber viel lieber backe ich!“, sagt sie lachend und stellt ihr Tablett neben das von Ken. Sie setzt sich hin und fährt fort: „Allerdings hatte ich bis jetzt nicht die Möglichkeit richtig zu üben. Mein Vater sieht es nicht gerne, wenn seine Tochter sich in der Küche bei den Angestellten rumtreibt. Manchmal hab ich es aber doch geschafft mich in die Küche zu schleichen und wenigstens zuzuschauen.“ Verlegen streicht sie sich die Serviette auf ihrem Schoss glatt.

Ich setze mich ihr gegenüber hin und schaue mir ihr Mahl an.

Die Pasta mit Bolognese sieht wirklich sehr gut aus. Ich beobachte wie sie nach ihrer Gabel greift und die ersten Nudeln aufnimmt. Sie hebt ihren Blick und schaut mich fragend an. Sie lächelt leicht. Ich wende den Blick schnell ab und fange selbst an zu essen. Mein Herz rast und ich bekomme kaum was runter. Immer wieder hebe ich den Kopf und schaue sie mir genauer an. Wie sie sich über die Lippen leckt, wie sie sich immer noch angeregt mit Ken unterhält, während sie eine volle Gabel hochhält. Wie sie sich auf die vollen Lippen beißt, wenn sie über etwas nachdenkt.

Ob ihr bewusst war, wie verdammt heiß das aussieht? Ich kann die Blicke der anderen Männer in diesem Raum spüren, die sie, wie ich, genauso gebannt beobachten.

Am liebsten würde ich aufspringen und sie in meinen Armen vor den Blicken der anderen abschirmen. Eine glühend heiße Masse macht sich in meinem Magen breit und lässt mich schwer schlucken. Der Appetit vergeht mir und ich balle die Faust, als ich sehe, dass einer der Typen sie regelrecht anschmachet. Mir wird heiß.
Ich bin eifersüchtig, schießt mir durch den Kopf. Selbst auf Ken, der sich besser mit ihr unterhalten kann, bin ich eifersüchtig. Was zum Teufel war los mit mir? Ich kannte sie vielleicht einen Tag lang und schon wollte ich Besitzansprüche geltend machen? Ich weiß doch absolut gar nichts über sie…
Ob ich nur an ihrem Körper interessiert bin? Ich meine… Er ist schon verdammt heiß und ich hätte sicher nichts dagegen ihn besser zu erkunden. Aber… So einer bin ich eigentlich nicht. Ich war keiner von diesen Typen, die sich an eine Frau ranmachen, sie eine Nacht lang ihr Eigen nennen und sie dann wieder fallen ließen. Aber auf der anderen Seite scheine ich auch kein Mensch für Liebe zu sein.

Schließlich habe ich noch nie eine richtige Freundin gehabt.

Die Masse in mir verdirbt mir endgültig das Essen und ich schiebe das Tablett von mir.

„Hast du keinen Hunger, Takuya-kun?!“, fragt mich plötzlich ihre weiche Stimme und reißt mich aus den Gedanken. Fragend und auf mein Essen zeigend schaut sie mich an.

„Ehm… nein, nicht wirklich.“, antworte ich ehrlich und starre erneut auf meinen Teller mit dem Stück Fleisch und den Kartoffeln. Diese glühend heiße Masse macht sich in meinem Inneren noch immer breit und ich bekomme wirklich nichts mehr runter.

„Wenn du keinen Hunger hast, bekomm ich dann deinen Pudding?“, fragt sie und als ich hochblicke, sehe ich ihre strahlenden Augen und ich muss fast lachen. Selbst wenn ich meinen Nachtisch noch gewollt hätte, nach diesem Blick hätte ich ihr alles gegeben.

„Klar, du kannst ihn gerne haben!“, antworte ich nickend und strecke die Hand aus, um ihr den Pudding zu reichen. Im selben Moment streckt auch sie ihre Hand aus. Unsere Finger berühren sich und ein sanfter Schlag durchfährt meine Finger. Sie werden heiß und es kribbelt angenehm. Überrascht ziehe ich die Hand zurück. Auch sie zieht ihre zurück und ein sanfter Schimmer Rot legt sich auf ihre Wangen. Genau dieses Schimmern sehe ich so gerne an ihr. Lächelnd nehme ich den Pudding und halte ihn ihr hin. Sie sieht erneut auf und als ihre Finger meine berühren, lässt sie ihre einen Moment länger auf meinen ruhen.

Sie schaut mir fest in die Augen und eine angenehme, kribbelnde Wärme breitet sich durch meinen Körper aus und ich habe das Gefühl mein Körper glüht.

„Danke…“, flüstert sie und ich schaue gebannt auf ihre wundervoll geformten Lippen. Alles in mir schreit auf, dass ich ihr näher kommen soll. Noch immer berühren sich unsere Finger und ich beuge mich langsam vor.

 

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