Ch04 – Mein ständiger Begleiter

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Chapter 04 – Mein ständiger Begleiter 

Yumi Ayamoto 


Noch immer betrachte ich nachdenklich den Saft, der vor mir auf meinem Tisch steht. Die Pause verging nach Nakamura-kuns Rückkehr so schnell, weswegen ich keine Zeit mehr hatte um ihn zu trinken. Und während des Unterrichtes war es verboten zu trinken oder etwas zu essen.

Frau Kato steht erneut vor der Klasse und erläutert uns unseren neuen Stundenplan, während sie sich immer wieder eine lange Strähne hinters Ohr streicht. Zusätzlich erklärt sie den Tagesablauf, während eines Schultages außerhalb des Unterrichts.

Die Bäder dürfen wir in der Zeit von 6 Uhr morgens bis 20 Uhr Abends nutzen. Ab 21 Uhr sollen wir auf unseren Zimmern sein und ab 22 Uhr herrscht Nachtruhe. Informationen, die mich direkt nicht betreffen werden.

Sie erklärt noch einmal, dass auf dem gesamten Schulgelände ein absolutes Handyverbot herrscht. Komischerweise gibt es weniger Protest, als ich erwartet hätte. Hier und da gibt es ein empörtes Aufrufen, aber die meisten schweigen. Viele von meinen neuen Mitschülern scheinen gar nicht wirklich zuzuhören. Entweder sie starren stumm nach vorne oder beschäftigen sich anderweitig.

Mein Blick wandert langsam zu meinem neuen Tischnachbarn, der stur nach vorne schaut. Seine langen Finger trommeln in einem mir unbekannten Rhythmus immer wieder auf den Tisch. Ob ich vorhin zu weit gegangen bin mit meiner Anspielung, dass er mich gerne als seine Zimmernachbarin hätte?, denke ich und überlege ob das wirklich der Grund dafür gewesen sein könnte, dass er so dermaßen die Fassung verliert und geradezu fluchtartig das Klassenzimmer verlassen hat.

Akira, Tomoda, der große blonde Junge mit den strahlend blauen Augen hatte mir gegenüber angemerkt, dass Nakamura-kun wohl nicht wisse wie man sich einer Dame wie mir gegenüber zu verhalten hätte und ihn als unhöflich und naiv bezeichnet. Ich habe lieber nichts darauf erwidert. Schuldgefühle plagen mein Gewissen.
Ich wollte nicht, dass Nakamura-kun sich unwohl in meiner Nähe fühlt.

Meine Gedanken werden jäh unterbrochen, als ich höre wie Frau Kato meinen Namen aufruft. Als ich aufblicke und sie anschaue scheint es, als hätte sie mich bereits mehr als einmal aufgerufen.

„Entschuldigen Sie bitte!“, sage ich kleinlaut und neige den Blick auf meinen Tisch. Ich spüre die Blicke meiner Mitschüler auf mir und merke wie sich mein Nacken heiß anfühlt. „Ayamoto-san, du solltest wirklich zuhören, besonders weil es dich betrifft.”, seufzt sie und schüttelt mit dem Kopf, so dass ihre Strähne erneut nach vorne rutscht.

„Also noch einmal… Mir ist vielleicht etwas eingefallen, womit es dir leichter fallen würde dich in den Alltag der Jungen zu integrieren. Ich möchte, dass einer von euch ihr als Partner zugeteilt wird.“, erklärt sie und ich kann aufgeregte Stimmen um mich herum flüstern hören. Die Hitze breitet sich aus und mir wird unendlich heiß. „Nicht in sexueller Hinsicht, meine Herren. Also, hört doch bitte auf euch solche Gedanken zu machen und so zu grinsen. Ich meine jemanden, der ihr hilft sich hier wohl zu fühlen und sie im Alltag begleitet.“, fügt sie hinzu und lächelt etwas schiefer. Ich merke, wie meine Wangen anfangen zu brennen. Ich war mir mehr als hundert Prozent sicher, dass nicht Frau Kato, sondern mein Vater auf diese Idee gekommen war. Das würde auch das schiefe Lächeln von meiner Lehrerin erklären. Sie schien nicht besonders glücklich damit.

Ich schaue vorsichtig auf und blicke mich um. Fast alle meine Mitschüler hatten eine Hand oben, um sich freiwillig für diese Aufgabe zu melden. Nur eine Hand blieb unten, während der Blick eisern auf die Unterlagen gerichtet war.

Akira-kun erhebt sich, laut scharrt sein Stuhl über den Boden. „Frau Kato! Ich denke, ich wäre der geeignetste für diese Arbeit. Und es wäre mir eine Ehre!“, sagt er und schaut dabei lächelnd in meine Richtung. Irgendwie beruhigt mich das Lächeln nicht besonders, im Gegenteil, es ist mir unangenehm, dass er mich so intensiv anschaut.

Plötzlich wird sein Blick unterbrochen, zwischen uns hält Nakamura-kun eins seiner Hefte hoch, so dass ich Akira-kun nicht mehr sehen kann. Er scheint dabei gelangweilt aus dem Fenster zu schauen, allerdings kann ich ein kleines Funkeln in seinen Augen sehen.

Frau Kato räuspert sich. „Ich hab eine bessere Idee. Nakamura-kun, ich denke du wärst besser geeignet. Wärst du so freundlich?“, fragt sie mit einer zuckersüßen Stimme, bei der ich mir sicher bin, dass die meisten Jungen ihr nichts abschlagen würden. Langsam nimmt Nakamura-kun das Heft wieder herunter und schaut unsere Lehrerin einen Moment lang an.

Ich halte die Luft an, aus den Augenwinkeln sehe ich, dass sich Akira-kun langsam wieder hinsetzt. Er sieht dabei allerdings alles andere als sehr glücklich aus. Nakamura-kun seufzt. „Klar, ich mach das!“, sagt er emotionslos, doch das Lächeln, das sich auf seinen Lippen bildet, lässt seine Augen erstrahlen. Irgendwie wärmt mich dieses Lächeln von Innen auf und ich kann nicht anders als ebenfalls zu lächeln.

„Prima! Das war dann alles für heute! Bitte seid morgen pünktlich!“, sagt Frau Kato lächelnd und sammelt ihre Materialien von ihrem Tisch. Ich starre immer noch auf meinen Tisch und versuche möglichst nicht aufzufallen. Diese ganze Situation mit diesem Partner ist mir sehr unangenehm und ich kann es nicht erwarten mich in meinem Zimmer einzusperren. „Ayamoto-san, Nakamura-kun, bitte bleibt doch einen Moment!“, sagt sie, während die Klasse sich zum Abschied erhebt und sich noch einmal vor ihr verneigt.

Langsam sammeln alle ihre Sachen zusammen und verschwinden nach draußen auf den Flur.

„Ich geh schon mal aufs Zimmer, Takuya! Dann können wir zusammen zum Essen gehen!“, ruft der kleine Brillenträger noch, ehe er die Tür hinter sich zu zieht. Er ist der letzte der das Klassenzimmer verlässt, nun sind wir mit Frau Kato alleine.

Langsam packe ich meine Sachen zusammen und stehe auf. Nakamura-kun steht ebenfalls auf und folgt mir zum Lehrerpult.

„So ihr beiden, es ist doch noch einiges zu klären… Unser Direktor, Ayamoto-sans Vater ist sehr um ihre Sicherheit besorgt. Von uns denkt zwar niemand, dass ihr unter unserer Aufsicht etwas passieren wird, aber wir wollen es nicht herausfordern. Deswegen kam er auf diese Idee mit dem Partner, der dir die Zeit über zur Seite steht.“, erklärt sie und lächelt mich gequält an, man sieht, dass ihr die Idee auch nicht gefällt. „Deswegen habe ich die Bitte, dass du Ayamoto-san morgens zum Frühstück abholst und sie abends nach dem Abendessen wieder zu ihrem Zimmer begleitest.

Ihr Zimmer liegt bei uns im Lehrertrakt, in der obersten Etage. Ich bin die einzige, die noch ein Zimmer in diesem Stockwerk hat. Du hast die Erlaubnis sie dort abzuholen. Wenn du möchtest, kannst du Mitsukenshi-kun mitnehmen, wenn dir das alleine etwas unangenehm ist.“, sagt sie in Nakamura-kuns Richtung lächelnd.

„Dir sollte außerdem bewusst sein, dass viele eifersüchtig sein und sich dir gegenüber vielleicht etwas… unsportlich verhalten werden. Ich werde versuchen, das soweit es mir möglich ist, zu unterbinden. Bitte hab ein Auge auf Ayamoto-san…“, sagt sie. Ich höre ihr zu und starre dabei auf meine Hände. Ein Bodyguard… das war er nun für mich. Und ich schäme mich deswegen.

„Frau Kato, das ist doch…!“,fange ich an, doch weiter komme ich nicht. „Ich verstehe. Doch ich hab bereits gesagt, ich mache es!“, unterbricht er mich. Nakamura-kun klingt plötzlich sehr ernst und erwachsen. Dieser dunkle Ton in seiner Stimme hatte was unglaublich geheimnisvolles. Etwas was mir einen Schauer über den Rücken jagt.

Ich schaue ihn von der Seite an und bin ihm plötzlich unendlich dankbar.

„Danke, Nakamura-kun…!“, flüstere ich. „Dann bin ich ja beruhigt. Ayamoto-san, wenn was sein sollte oder du was brauchst, dann sag einfach Bescheid! Ihr dürft nun gehen!“, sagt sie.

Wir verbeugen uns noch kurz und bleiben beide wie angewurzelt stehen. Nakamura-kun setzt sich als erstes in Bewegung und ich folge ihm schweigend. Auf dem Flur herrscht gähnende Leere. Die meisten sind wohl schon auf  ihren Zimmern oder bereits beim Essen. „Hast du was dagegen, wenn wir erst bei mir im Zimmer vorbeischauen und Ken abholen? Danach können wir zu dir, du kannst dich umziehen und wir gehen zu dritt essen. Ist das in Ordnung?“, fragt er und schaut mich erwartungsvoll an.

„Ja… das ist gut so.“, erwidere ich und schweige von da an lieber.

Meine Stimme klingt irgendwie zittrig und ich spüre Nervosität in mir aufsteigen.. Er geht weiter, ohne sich noch einmal zu mir umzudrehen. Wir gehen einige Schritte schweigend den Flur entlang und ich fange an mich zu fragen, wie ich die ganze Zeit mit ihm an meiner Seite überstehen soll, ohne dass er mit mir spricht. Plötzlich bleibt er stehen und hält mir die nach oben geöffnete Hand hin. Ich schaue diese fragend an. „Gib mir deine Tasche! Auf Dauer wird sie dir doch sicher zu schwer!“, sagt er, schaut mich dabei aber nicht direkt an. Ich lasse meinen Blick zu meiner Tasche wandern, mir war nicht aufgefallen, dass die tatsächlich sehr schwer ist. Lächelnd reiche ich sie ihm.

„Ehm… Nakamura-kun…?”, sage ich vorsichtig und beschleunige meinen Schritt.  „Da du von nun an mein Schatten sein wirst… ist es dann zu viel verlangt wenn du mich Yumi nennen würdest. Ich fühle mich nicht wohl damit, dass du meinen Nachnamen nutzt…“, murmle ich kleinlaut. Abrupt bleibt er stehen und ich pralle gegen seinen breiten Rücken. Ich mache mich darauf gefasst, dass er erneut böse werden könnte, weil ich was falsches gesagt haben könnte.

Er dreht sich langsam zu mir um und schaut mich an. Der leere Flur und die relativ abgelegene Ecke, an der wir stehen geblieben waren, wurden mir plötzlich glühend heiß bewusst. Doch ich wende den Blick nicht ab. Er schaute mich an, in seinen dunklen Augen spiegeln sich Fragen und Verwirrung. „Wirst du mich dann Takuya nennen, Yumi-chan?“, sagt er und seine Stimme hat einen seltsamen dunklen Ton. Ein warmer Schauer rinnt mir über den Rücken, als er meinen Namen sagt. Ich muss den Blick abwenden, kann ihm einfach nicht standhalten. „Wenn ich darf…“, sage ich mutiger, als ich es je von mir selbst erwartet hätte. Meine Stimme klingt klein und ängstlich. Das Herz rast in meiner Brust und mir wird heißer, als vorhin im Klassenzimmer. Ich höre ihn leise lachen und näher kommen. Ich schaue auf, er steht nur wenige Zentimeter von mir entfernt, so dass ich seine Körperwärme spüren kann und den Kopf in den Nacken legen muss, um in seine Augen zu schauen.

„Sag mal, Yumi-chan, ich soll dich vor den anderen Männern an unserer Schule beschützen. Aber wer wird dich vor mir beschützen?“, sagt er und seine Stimme ist wie dunkle Schokolade. Dabei schaut er mir so intensiv in die Augen und kommt mir so nah, dass ich instinktiv die Augen zusammenkneife. Ich spüre seinen Atem und nehme seinen Geruch intensiver wahr, ehe er … plötzlich wieder weg ist. Ich öffne die Augen und sehe ihn etwa drei Schritte von mir entfernt. Mit dem Rücken zu mir. „Tut mir leid… Das war nur ein Spaß!“, sagt er etwas außer Atem. Sein Blick ist starr auf den Fußboden zwischen uns gerichtet. „Wir sollten weiter!”, murmelt er. Mit schnellen Schritten geht er weiter. Ich fasse mir an die Wangen und spüre die Wärme. Mein Herz klopft unnatürlich laut und schnell. Ich atme tief ein und folge ihm.

Im Jungentrakt war viel mehr los, als im Unterrichtsgebäude. Viele Schüler laufen wild umher, mit Handtüchern in den Armen oder Klamotten. Viele starren mich an aber keiner kommt näher ran. Takuya-kun läuft vor mir her, immer noch meine Tasche tragend und ich folge ihm stumm durch die Flure.

Vor dem Zimmer mit der Nummer 1174 bleiben wir stehen und er klopft an. „Warum klopfst du bei deiner eigenen Tür an?“, frage ich leise, während wir warten. „Das mache ich nur weil du dabei bist. Was ist wenn Ken sich gerade umzieht?“, entgegnet er mir. Auf diesen Gedanken bin ich noch gar nicht gekommen. Die Tür vor uns wird vorsichtig geöffnet und der Junge mit der Brille, schaut durch einen kleinen Spalt. „Ach, du bist es… Ich dachte es wären wieder diese Idioten…“, sagt er erleichtert und tritt von der Tür zurück, ehe er sie ganz öffnet und uns reinlässt. Er hat mich hinter Takuya-kun nicht gesehen, denn nun schnappt er entsetzt nach Luft.

„Was macht denn Ayamoto-chan hier? Bist du denn verrückt? Die werden sich jetzt auf sie stürzen, wie auf rohes Fleisch!“, ruft er vorwurfsvoll und schaut Takuya-kun entgeistert an. Dieser schiebt sich an ihm vorbei ins Zimmer und zieht sein Jackett aus, das er über einen der Stühle wirft. Nur im Hemd erkennt man wirklich mehr von seinem wirklich sehr gut trainiertem Oberkörper. „Entschuldigung…“, sage ich leise und trete ein, ehe der Brillen-Junge die Tür hinter mir schließt.. „Es ist doch egal, ob sie sie hier aufgreifen oder vor dem Klassenzimmer. Ich soll auf sie aufpassen, also muss sie in meiner Nähe sein und ich hatte nicht vor in Schuluniform essen zu gehen!“, erwidert er, während er in seinem Schrank kramt. Ken starrt ihn erst etwas erstaunt an und seufzt.

„Ich ziehe mich kurz um, dann gehen wir zu ihr aufs Zimmer und anschließend können wir essen gehen… Ist das in Ordnung oder möchtest du lieber alleine essen?“, fragt Takuya-kun, ehe er sich umdreht und den Brillen-Jungen herausfordernd anschaut.

„Du weißt doch genau, dass ich dich nicht alleine lassen werde… besonders nicht mit diesen ganzen Idioten! Bitte, Ayamoto-chan setz dich doch auf meinen Stuhl! Takuya hat wohl keine Erziehung genossen!“ Der Kleine dreht sich um und weist mit der Hand auf seinen Schreibtischstuhl. Ich nicke zum Dank und setze mich schweigend hin. Ich betrachte Takuya-kun, wie er da steht und den kleinen Brillen-Jungen böse anfunkelt. Und plötzlich überkommt mich ein schönes, glückliches Gefühl. Irgendwie fühle ich mich wohl bei den beiden. „Entschuldigung… Hast du mir deinen Namen vorhin gesagt? Ich muss zugeben, ich habe ihn vergessen.“, sagte ich ein wenig beschämt. Dem Kleinen scheint das nichts auszumachen. „Oh, was? Das kann ja schon mal vorkommen. Mitsukenshi, Ken.“ Er lächelt mich plötzlich vorsichtig an, als wäre ihm wieder klar geworden wer da auf seinem Stuhl in seinem Zimmer sitzt. Vorsichtig lächle ich ihn an. „Mir kommt dein Nachname bekannt vor. Deine Mutter ist Modedesignerin, oder? Oh, ich liebe ihre letzte Herbstmode! Dieses Farbenspiel war wirklich unglaublich! Aber ich war zu langsam, als ich in ihren Laden kam war die gesamte Kollektion schon ausverkauft. Ich würde für das Kleid “Letzter Sommerwind! sterben!’“, plappere ich drauf los und strahle Mitsukenshi-kun an. Es ist tatsächlich so gewesen, dass ich das Kleid unbedingt haben wollte, aber am Erscheinungstag krank gewesen bin. Nur einen Tag später war die gesamte Kollektion weg. Ken lächelt etwas gequält. „Ich weiß, ich war an dem Tag bei ihr im Laden und hatte Angst umgerannt zu werden. Hast du ihre neue Frühlingskollektion schon gesehen? Wenn du willst, frage ich sie ob du sie einen Tag früher sehen kannst…“, sagt er leise, doch weiter kam er nicht, denn ich war aufgesprungen und zu ihm gelaufen. Kurz vor ihm bleibe ich stehen und schaue ihn aufgeregt an. „Du wärst der Beste auf der Welt!“, rufe ich aufgeregt und freue mich wirklich aufrichtig über dieses Angebot. Seine Wangen färben sich dunkelrot und ich mache schnell einen Schritt zurück. „Entschuldige, manchmal bin ich etwas stürmisch. Es wäre sehr nett, wenn du das tun könntest…“, sage ich und neige den Kopf und er nickt mit hochrotem Kopf. „Hey ihr zwei. Soll ich vielleicht lieber gehen?“ Takuya schaut uns mit einem fragenden, skeptischen Blick an. In der Hand hält er sein Hemd und er steht bloß in seiner Hose vor uns. Ich starre gebannt auf die feinen Konturen seiner Brust und lasse meinen Blick über seinen Körper wandern. Ich sehe wie er kurz schauert und sich eine leichte Gänsehaut bildet. Ich lasse meinen Blick nach oben zu seinem Gesicht wandern und schaue ihm in die Augen. Sein Blick ist intensiv und auf seinen Wangen bildet sich eine leicht rote Farbe.

„Mann, Takuya! So was macht man nicht! Zieh dir gefälligst was an!“ ruft Ken und der Moment ist zerstört. Ich wende meinen Blick zur Wand und versuche mich zu beruhigen. Warum tut er so was? Die Situation vorhin auf dem Flur und nun sein Auftritt hier im Zimmer, um mich von Mitsukenshi-kun abzulenken. Was möchte er dadurch erreichen? Nach einiger Zeit räuspert Takuya-kun sich und ich drehe mich erneut um. Da steht er in normalen Jeans, die ihm tief auf den Hüften hängen, einem schwarzen T-Shirt und einer blauen geöffneten Strickjacke. Seltsam, dieses Outfit steht ihm fast genauso gut wie die Uniform. Er hebt die Hand und fasst sich an den Hinterkopf. Er wühlt sich selbst durch die Haare und atmet tief aus. „Ich bin soweit, wir können.“ Mitsukenshi-kun, der sich daran gemacht hatte seine restlichen Sachen aus den Kartons zu räumen, schaut auf. Er trägt ebenfalls eine Jeans, doch damit endet auch die Ähnlichkeit. Ein weißes Hemd und einen grauen Pullover darüber. Sehr ordentlich. Ich stehe auf und gehe langsam zur Tür. Doch Takuya-kun ist schneller. Er legt seine Hand auf die Klinke und öffnet die Tür mit einer kleinen Verbeugung. „Wenn ich bitten darf, mein gnädiges Fräulein.“ sagte er mit einer verführerischen dunklen Stimme, während er den Kopf vor mir neigt. Ich muss lächeln und mache einen leichten Knicks. „Danke, mein werter Herr!“, erwidere ich, ehe ich das Zimmer verlasse.

Auf dem Weg zu meinem Zimmer, erklärt Takuya-kun seinem Zimmernachbarn seine Aufgaben als mein Partner. Vor meiner Zimmertür bleiben wir stehen. Die Jungen schauen sich an.

„Wenn du magst, können wir hier auf dich warten, Yumi-chan.“, meint Takuya-kun leise. Ich schüttele den Kopf. „Ihr könnt gerne mit reinkommen. Ich ziehe mich im Bad um.“, antworte ich mutig, obwohl mein Herz bei dem Gedanken Takuya-kun in mein Zimmer zu lassen, rast. Ich öffne die Tür und lasse die beiden Jungen eintreten. Ich habe eins der größten Zimmer in diesem Gebäude bekommen. Das Zimmer war cremefarben gestrichen worden und meine Vorhänge, sowie die Bettwäsche und einige Kissen waren in meiner Lieblingsfarbe Türkis. Das Bett selber, der Schrank, die Kommode und mein Schreibtisch waren eher schlichter und in einem sanften graubraun. Die Sitzgelegenheit, aus zwei gegenüberliegenden Sofas war ebenfalls in der selben Farbe. Nur einige weitere Details waren Türkis. Die beiden Jungen stehen etwas unschlüssig an der Tür.

„Wow…“, bringt Mitsukenshi-kun irgendwann hervor und tritt näher an die Sofas. „Schön, hast du es hier…“, meint Takuya-kun und folgt ihm. Ich ziehe mir mein Jackett aus und gehe damit zum Schrank.

„Bitte setzt euch. Ich werde nicht lange brauchen, versprochen!“ Beide setzen sich hin und schauen sich immer noch um. Einige Kisten sind noch nicht ausgepackt und stehen mitten im Raum. Meine Lieblingsbücher hatte ich direkt nach meiner Ankunft auf eins der Regale, neben meinem Bett gestellt. Ansonsten sieht mein Zimmer noch etwas kahl und eher aus einem Wohnkatalog aus. Ich hänge das Jackett in den Schrank und ziehe ein hellblaues Kleid heraus. Der obere Teil wird durch eine weiße Schleife vom Faltenrock getrennt. Ich nehme mir noch eine cremefarbene Strickjacke und die dazu passenden Ballerinas aus dem Schrank und verziehe mich damit ins Bad. Ich merke wie Takuyas-kuns Blick mir folgt, doch ich schließe die Tür ohne den Blick zu erwidern.

Im Bad ziehe ich den Rock und die Bluse aus. Langsam streife ich mir das weiche Kleid über den Kopf und betrachte mich im Spiegel. Meine Wangen sind immer noch etwas gerötet, doch es sieht eher aus, als hätte ich etwas Rouge im Gesicht. Ich wasche mir das Gesicht, bürste mir das Haar und lege ein ganz kleines bisschen Make-up und Mascara auf. Anschließend nehme ich einen zart rosafarbenen Lippenstift und betrachte mich kritisch. So kann ich wieder rausgehen.

Schnell in die Schuhe geschlüpft und die Jacke angezogen, gehe ich aus dem Bad und stelle mich vor den Jungs hin. Takuya-kun schaut von seinen Händen auf und starrt mich an. „Wow, Ayamoto-chan. Du siehst großartig aus in dem Kleid!“, meint Mitsukenshi-kun lächelnd. Doch mein Blick sucht Takuya-kuns.

 

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