CH03 – Das Strahlen im Klassenzimmer

Voriges Kapitel | Projektseite | Nächstes Kapitel

 

Chapter 03 – Das Strahlen im Klassenzimer

Takuya Nakamura

 

Ich kann es nicht glauben. Dieses Mädchen, dem ich bei meiner Ankunft begegnete, geht tatsächlich mit mir in eine Klasse. Und jetzt sitzt sie auch noch neben mir. Kann das wirklich alles wahr sein?

Als sie mit unserer neuen Klassenlehrerin durch die Tür trat, habe ich sie im ersten Moment gar nicht wahrgenommen. Erst als Ken sich mitten im Satz unterbrach und die Luft anhielt, während er starr nach vorne schaute, habe ich mich umgedreht. Stille herrschte plötzlich in dem Raum.

Und da steht sie plötzlich. Wunderschön mit einem leichten roten Schimmer auf ihren Wangen. In einer Schuluniform, die meiner so ähnlich ist. Doch statt der Hose, trägt sie einen knielangen dunkelblauen Faltenrock, der sich sanft um ihre Beine schmiegt.

Sie trägt genau wie ich einen dunkelblauen Blazer mit unserem Schulwappen. Statt eines weißen Hemdes trägt sie eine leichte weiße Bluse, deren oberster Knopf offen ist und einen guten, freien Blick auf ihr wirklich sehr ansprechendes Schlüsselbein und dein Hals preis gibt.

Mit einem unruhigen Gefühl spüre ich auch die Blicke der anderen Männer in diesem Raum. Ich sehe, was sie sehen. Und wie ich scheinen sie dem was sie sehen nicht völlig abgeneigt zu sein.

Ihre großen, strahlenden Augen, ihr schöner Mund mit den vollen Lippen, die hohen Wangenknochen und diese kleine Nase, die perfekt in ihr Gesicht passt. Ihr wohlgeformter, kleiner Körper, mit den langen Beinen und den schönen Rundungen. Ihr langes dunkelbraunes Haar, dass über ihre Schultern hinaus fällt und ihr Gesicht umrandet. Ich kann mich einfach nicht satt sehen. Und jetzt soll sie auch noch neben mir sitzen. Links von mir, einen Platz vor Ken, am Fenster. Wie, um Himmels Willen sollte ich mich denn jetzt auf den Unterricht konzentrieren?

Als sie an mir vorbei geht, strömt mir ihr intensiver Duft in die Nase. Irgendwie süß, aber gleichzeitig leidenschaftlich und irgendwie… wild. Ich finde keine Worte dafür ihren Duft näher zu beschreiben.

Absolut jeder in der Klasse starrt sie an und ich merke, wie mir das missfällt. Ich will, dass die anderen wissen, dass ich sie schon kenne, dass ich sie bereits kennen lernen durfte.

„Hallo Ayamoto-chan. Nett dich so schnell wiederzusehen.“, sage ich laut, damit mich auch alle hören und verstehen können. Im selben Moment könnte ich mir auch auf die Zunge beißen. Schnell versuche ich es mit einem schiefen Lächeln zu vertuschen, dass ich sie einfach so angesprochen habe.

Anscheinend kann sie es auch nicht wirklich glauben, denn im ersten Moment schaut sie mich etwas irritiert an. Doch genau dann als ich denke, dass sie sich stumm von mir wegdrehen wird, um sich einfach hinzusetzen, antwortet sie mir: „Ich freue mich auch, dich so schnell wiederzusehen, Nakamura-kun!“, sagt sie mit einem Lächeln, während mir der Gedanke kommt, dass es eine Qual sein wird neben ihr zu sitzen und sie nicht permanent anzuschauen. Ich grinse schief, weil ich es nicht glauben kann und wende mich schnell ab, bevor sie sehen kann, dass mich dieses Lächeln von ihr zum Erröten bringt.

Angestrengt versuche ich sie nicht anzustarren, während sie nach vorne schaut und Frau Kato zuhört.

Stattdessen setze ich mich gerade hin und falte meine Hände auf dem Tisch zusammen, doch richtig still sitzen kann ich nicht. Ich winde mich hin und her und versuche mich so hinzusetzen, dass sie nicht immer in mein Sichtfeld kommt. Ich bekomme nichts von dem mit, was meine neue Lehrerin der gesamten Klasse vorne erläutert. Das einzige was ich wirklich wahrnehme, ist der Duft und die Präsenz von der Frau neben mir. Doch irgendwie vergeht die Stunde und wir haben eine kurze Pause. Sobald Frau Kato den Raum verlässt, bildet sich sofort ein Kreis aus Jungen um Ayamoto-chan. Alle fangen an wild durcheinander zu reden und ihr komische Fragen zu stellen. Dabei kommen sie ihr ziemlich nahe, was mich… ziemlich stört. Ich balle meine Faust und würde am liebsten losschreien.

„Jetzt reicht’s aber! Ihr benehmt euch wie Tiere!“, sagt plötzlich ein hochgewachsener Junge mit blonden Haaren und blauen Augen, der mit langen Schritten näher kommt. Mit einer Hand scheucht er die Meute zurück und tritt näher an den Tisch.

„Lasst der Dame etwas Freiraum!“ Irgendwas an der Art und Weise dieses Typen gefällt mir überhaupt nicht, geht mir durch den Kopf.

Ayamoto- chan lächelt ihn dankbar an. „Wenn ich mich vorstellen darf, ich bin Tomoda, Akira. Aber du darf mich gerne Akira nennen, Ayamoto-chan.“, sagt er und hält ihr seine geöffnete Hand hin, die sie einen Moment lang zögernd anschaut. „Freut mich ebenfalls, Akira-kun!“, erwidert sie freundlich und nimmt seine Hand. Jedoch bietet sie ihm nicht ihren Vornamen an, was mich seltsam beruhigt.

Plötzlich fangen alle an sich bei ihr vorzustellen. Selbst Ken tritt vor und neigt höflich den roten Kopf. „Los Takuya, sei nicht so unhöflich! Wir haben uns alle vorgestellt!“, sagt er und und baut sich sehr Ken-untypisch vor mir auf. Während des Trubels habe ich meine Augen geschlossen und stütze meinen Kopf auf einer Hand.

„Nein, nein, alles gut! Ich hatte bereits das Vergnügen ihn kennen zu lernen!“, entgegnet Ayamoto-chan ihm und ich schaue überrascht zu ihr rüber. Sie lächelt mich an und zuckt mit den Schultern.

„Ach, dann wusstest du, dass sie auf unsere Schule gehen wird?“, fragt Ken überrascht und hebt die Augenbraue. Ich schüttele nur den Kopf, mir war nicht wirklich zum Reden zu Mute. Diese Frau brachte mich aus dem Konzept und eigentlich war sie überhaupt nicht der Typ Frau an den jemand wie ich heran kommen könnte.

Selbst wenn sie mit mir auf eine Schule ging… und neben mir sitzt. Noch immer schaut sie mich an.

„Ayamoto-chan… Bist du eigentlich die Ayamoto, Yumi? Die Tochter des Direktors und die Schwester des berühmten Ayamoto, Kauro?“, fragt Ken sie plötzlich aufgeregt, während sich auf Ayamoto-chans Wangen ein zartes Rosa bildet und sie nickt.

Ken holt schon Luft um sie noch mehr zu fragen, aber ich unterbreche ihn. „Wo schläfst du eigentlich? Doch nicht etwa im Jungenschlaftrakt?“, frage ich und sehe wie sich ihre Lippen in ein freches Lächeln wandeln. Mir läuft es eiskalt den Rücken runter und mir wird seltsam heiß.

„Möchtest du mich als deine Zimmernachbarin, Nakamura-kun?“, fragt sie mit einer dunklen, seidigen Stimme, die mir einen Schauer über den Rücken jagt und mich erröten lässt. Schnell versuche ich mit dem erstbesten zu antworten was mir in den Sinn kommt. „Verdammt, nein. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Zimmernachbarn.“, antworte ich erhitzt und würde mir am liebsten auf die Zunge beißen. Meine Antwort erschreckte mich selbst irgendwie, aber diese Frau brachte mich dazu nicht mehr zu wissen, was ich sagen sollte. „Vergiss, dass ich gefragt hab. Ken, ich gehe mir was zu trinken holen. Kommst du mit?“, füge ich schnell hinzu und stehe entschlossen auf. Ohne seine Antwort abzuwarten stehe ich auf und gehe ohne einen weiteren Blick zu den anderen aus dem Klassenzimmer zu werfen. Ich renne gerade zu bis zur nächsten Ecke und lehne mich dagegen. Mein Atem geht schneller und mein Herz rast. Verdammt, was war denn los mit mir…?

„Takuya, warte!“ Ken taucht neben mir auf und schaut mich verwirrt an. „Was war das denn gerade?“, fragt er aufgeregt und schaut mich mit großen Augen an. Ich zucke nur mit den Schultern und schaue auf meine Armbanduhr. Noch 10 Minuten bis die Pause vorbei ist. Ich hole tief Luft und gehe schnell die Treppen hinunter zum Getränkeautomaten.

In meiner Tasche krame ich nach Kleingeld und spüre das runde Metall an meinen Fingern, doch Ken ist schneller als ich. „Lass mich das machen.“ sagt er und wirft das Geld passend rein. Dankend nicke ich ihm zu und drücke den Knopf für einen kalten Kaffee.

„Erklärst du mir, was das gerade war? Sie hat doch nur einen Spaß gemacht…“, fragt er plötzlich, ohne mich anzusehen. Er steckt nochmal Geld in einen der Automaten und drückt auf den Knopf für die Säfte.

Unsere Getränke werden ausgeworfen und ich bücke mich um sie aus dem Fach zu nehmen..

Ich reiche ihm seinen Saft und stehe mit meinem in der Hand wieder auf. Vorsichtig schiebe ich den Strohhalm in das Trinkpäckchen. Ich zucke mit den Schultern und versuche Ordnung in meinen Kopf reinzubringen. „Ich weiß es nicht genau… Sie macht mich irgendwie nervös…!“, gebe ich leise zu und nehme einen Schluck. Das kalte Getränk beruhigt mich irgendwie.

Komischerweise nickt Ken verständnisvoll und lächelt mich vorsichtig an. „Ich glaube, ich verstehe… Du magst sie. War das so  was, wie Liebe auf den ersten Blick?“, fragt er und schaut mich dabei völlig ernst an. Im ersten Moment denke ich, er macht Witze, aber sein Blick sagt mir, dass er das völlig ernst meint. Ich schüttle den Kopf. Das kann es nicht sein… Wortlos mache ich mich auf den Weg zurück zur Treppe. Erst da merke ich, dass er mir gar nicht folgt, obwohl ich das zuerst angenommen hatte.

Er steht immer noch bei den Automaten und holt gerade etwas aus dem Fach, ehe er mir hinterher läuft.

„Hier!“, sagt er und drückt mir einen Kirschsaft von der süßesten Sorte in die Hand. Genau so einen wie ihn Mädchen in meiner alten Schule immer getrunken haben. Fragend schaue ich ihn an. „Meine Mutter hat immer gesagt, dass wenn man einen anderen Menschen verletzt hat oder fies zu ihm war, dass man sich dann entschuldigen muss! Ayamoto-chan scheint wirklich sehr nett zu sein…Und ich glaube du würdest es bereuen, wenn du dich nicht entschuldigst!“, erklärt er und nickt mir aufmunternd zu. Ich greife fester um den Saft und gehe entschlossen zum Klassenzimmer.

Die Stimmung hatte sich hier mittlerweile beruhigt und es stehen nur noch vier Jungen um Ayamoto-chans Tisch herum. Einer von ihnen dieser blonde Schönling, der sie immer noch strahlend anlächelt.

Auch sie lächelt ihn zaghaft an, aber es wirkt gezwungen und erreicht nicht wirklich ihre wunderschönen Augen.

Langsam gehe ich zurück zu meinem Platz. Sie sieht mich und senkt schnell ihren Kopf. Ich sehe, wie sich ein zartes Rosa auf ihren Wangen bildet, was mich innerlich zum Lächeln bringt. Ich atme tief ein und verbeuge mich vor ihrem Platz. „Ich bin Nakamura, Takuya! Und normalerweise bin ich nicht so unhöflich. Entschuldige bitte!“, sage ich laut und halte ihr den Saft entgegen. Einen kurzen Moment schaut sie mich verwirrt an, dann lächelte sie und hebt die Hand. Sie nimmt den Saft und berührt dabei sanft meine Finger, ein kleines Kribbeln entsteht dort, wo ihre Haut meine berührt. Die Stelle glüht.  „Danke! Nakamura, Takuya…“, sagt sie leise. Die Art und Weise wie sie es sagt, sagt mehr. Nur was… kann ich nicht verstehen.

 

Voriges Kapitel | Projektseite | Nächstes Kapitel

 

Kommentare sind geschlossen.