Ch11 – Darius und seine Vergangenheit

Ich kann mich nur zu gut daran erinnern. Eines Tages kam ich komplett durchnässt nach Hause und wurde aufgefordert, beim Vorbereiten für das Abendessen mitzuhelfen, da ich für diesen Tag als Küchenhilfe eingeteilt war. Ich trocknete meine Haare und meinen Körper mit einem Handtuch, das ich von Mutter bekommen habe, ab und half ihr, das Essen vorzubereiten, den Tisch für zehn Personen zu decken und alle anderen zu rufen.

 

Darius: 「Essen!」

 

Die ersten Kinder, die hereinstürmten, waren zwei Jungs, beide 10 Jahre alt. Der linke Junge namens Christoph war mit seiner chaotischen, mittellangen Frisur, kombiniert mit blonder Farbe, seiner bossähnlichen Ausdrucksweise und den vielen Verletzungen, der Chaot der Gruppe und zugleich der Anführer der Kleinen. Damit sind alle gemeint, die jünger sind als er sind. Rechts von ihm stand der unauffällige Moritz mit seinen kurzen, braunen Haaren. Auch wenn er unauffällig wirkt, ist er ziemlich hinterlistig und chaotisch, aber das liegt sehr wahrscheinlich an Christoph. Die beiden Jungs sind immer zusammen. Seitdem sie hier in der Familie sind, findet man den einen immer in der Nähe des anderen.

 

Beide schauen mir in die Augen, lächeln und sagen einfach:

 

Christoph&Moritz: 「Darius, wir haben unsere Aufgabe noch vor dem Essen erledigt, wie wir es versprochen haben!」

 

Ein paar Stunden zuvor hatte ich den beiden eine Aufgabe gegeben und gesagt 「Diese Aufgabe müsst ihr bis zum Abendessen erledigen, verstanden?」 und die Jungs reagierten nur mit 「Versprochen!」. Diese Aufgabe war recht simpel: Geht auf den Spielplatz, um die Ecke und findet den Schlüssel von Mutter. Sie hatte ihn nämlich gestern Abend verloren, als sie mit den Kleinen auf dem Spielplatz gespielt hat.

 

Darius: 「Gute Arbeit, das wird Mutter bestimmt gefallen. Jetzt schnell Hände waschen und auf zum Essen!」

 

Christoph&Moritz: 「JUHUU!」

 

Während ich mich mit Christoph und Moritz mich unterhalten hatte, kam dann auch der Rest der Gruppe zusammen runter. Insgesamt sind wir zehn, 6 Jungs, 3 Mädchen und Mutter. Normalerweise würde ich Vater dazu zählen, aber da er wegen seiner Arbeit nie wirklich Zuhause ist oder nach Hause kommt, kann man ihn außen vor lassen.

 

Nun ja, die Gruppe besteht aus:

 

Darius (17 Jahre alt/Männlich)

Marie (16 Jahre alt/Weiblich)

Ludi (13 Jahre alt/Männlich)

Christoph (10 Jahre alt/Männlich)

Moritz (10 Jahre alt/Männlich)

Lena (8 Jahre alt/Weiblich)

Christina (7 Jahre alt/weiblich)

Philipp (7 Jahre alt/Männlich)

Sven (7 Jahre alt/Männlich)

 

Die ersten Nachzügler waren Marie und Lena. Marie sticht mit ihren braunen, langen, glatten Haaren und schlichtem Aussehen, nicht wirklich hervor, aber ihre Persönlichkeit dafür umso mehr. Sie ist sehr freundlich, höflich und hilfsbereit. So wie Marie, hat auch Lena braune, glatte Haare, aber nur mit mittlerer Länge. Sie ist die Zicke aus der Gruppe und bringt die Jungs meistens dazu, sie zu ärgern. Ob das nun geplant ist, um Christina zu schützen, kann ich nicht sagen, aber ab und zu wirkt es so.

 

Marie: 「Darius, du hast es doch bestimmt vergessen, oder? Du solltest doch schon um 18 Uhr daheim sein und mit dem Abendessen helfen.」

 

Lena: 「Genau! Wir halten uns schließlich auch an unsere Versprechen, also sollst du das auch tun.」

 

Darius: 「Ahh, tut mir ja leid. Ich hatte noch was zu tun und das hat mich etwas mehr Zeit gekostet, als anfangs erwartet.」

 

Als Marie das hörte, kam sie näher und flüsterte mit mir.

 

Marie: 「Ludwig?」

 

Darius: 「Ja.」

 

Und ich nickte dabei.

 

Was mir anfangs nicht aufgefallen ist, war die Tatsache, dass direkt hinter Lena auch Christina stand. Sie hat lange, schwarze, gewellte Haare und trägt eine Brille. Vom Aussehen her ist sie definitiv Indoor und ein Bücherwurm. Aber sie unternimmt viel mit Lena, also kann sie sportlich gesehen, gar nicht so schlecht sein.

 

Darius: 「Hi Christina. Später wird dann weitergelesen, ok?」

 

Als sie das hörte, schaute sie zu mir und nickte. Sie ist nunmal sehr schüchtern.

 

Die letzten der Gruppe, waren Philipp und Sven. Beide haben sehr kurze, schwarze Haare und sehen, wie man es von Zwillingen erwarten kann, sehr ähnlich. Eine Verwechslungsgefahr ist bei denen sehr hoch. Da tue selbst ich mich oft schwer mit und das, obwohl ich beide bereits seit 4 Jahren kenne. Aber sobald einer von beiden spricht, ist es leicht zu erkennen, wer wer ist. Philipp ist der freche und benutzt Christoph als Vorbild. Das schreit schon nach Problemen, aber viel kann ich daran nicht ändern. Aber warum nimmt er nicht mich als Vorbild? … Egal. Sven ist ein Nachzügler, wie er im Buche steht. Er macht Philipp so gut wie alles nach. Sollte man die Zwillinge mal trennen, wird er Schwierigkeiten haben und darunter leiden, während Philipp klarkommen wird.

 

Philipp: 「Darius, du siehst lustig aus! Hahahahaha!」

 

Sven: 「Ja, sehr lustig! Hahahahaha!」

 

Beide fingen an zu lachen, als sie meine Haare sahen. … Sehr lustig.

 

Aber die Gruppe war noch nicht vollständig. Das Sorgenkind war noch nicht da. Ludi fehlte noch immer. Als ich die anderen fragte, sagten sie, dass er nicht essen möchte oder er keinen Hunger habe. Das bezweifle ich. Bei uns im Haus gibt es nur Frühstück, Pausenbrot und Abendessen, ansonsten ist die Küche gesperrt. Und viel Geld, um selbständig Essen zu holen, haben wir auch nicht. Somit kann man sicher sagen, dass Ludi lügte und alle anderen wussten das auch.

 

Darius: 「Ich gehe mal kurz zu ihm.」

 

Marie: 「Ok, ich übernehme den Rest vom Küchendienst für dich.」

 

Darius: 「Danke, Marie.」

 

Ich ging langsam die Treppen hoch und schaute mich um. Die Zimmer waren in Gruppen eingeteilt. Einmal das Zimmer der Mädchen, in dem Marie, Lena und Christina schlafen, dann das Zimmer von den kleinen Jungs, Christoph, Moritz, Philipp, und Jens und zu guter letzt das Zimmer von Ludi und mir.

 

Die Tür zu Ludis und meinem Zimmer ist am Ende des Ganges, gegenüber vom Zimmer unserer Mutter. Ich näherte mich und öffnete die Tür. Klopfen muss ich nicht, immerhin ist es auch mein Zimmer. So hatten Ludwig und ich das ausgemacht.

 

Da wir bereits Abend hatten, war der Rollladen unten und das Zimmer stockfinster. Die einzige Lichtquelle war das Licht vom Gang hinter mir. Ich betätigte den Lichtschalter und sah Ludi auf seinem Bett liegen.

 

Darius: 「Ludi, es gibt Essen. Kommst du?」

 

Ludi: 「Nein, … ich habe keinen Hunger.」

 

Darius: 「Du weißt doch selbst nur zu gut, dass das nicht stimmen kann.」

 

Immerhin knurrte genau in diesem Moment sein Magen. Perfektes Timing!

 

Ludi: 「Bitte, lass mich in Ruhe!」

 

Darius: 「Du weißt, dass ich das nicht kann, oder? Lass mich raten, es hat mit Sarah zu tun?」

 

Sarah ist das Mädchen aus Ludis Träumen. So viel ich weiß, ist sie 12 Jahre alt und ziemlich schön. Noch dazu sieht sie ab und zu wie ein Model aus. Sie hat mit ihren blonden, langen Haaren und einem wunderschönen Gesicht viele Fans gewonnen. Sie ist bei den Mädchen meist im Mittelpunkt und wirkt freundlich, nett und scheint niemanden zu hassen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis Ludi Interesse an ihr findet. Immerhin kommt er langsam in das Alter. Okay, das klingt so, als wäre ich ein alter Knacker. Lassen wir das lieber.

 

Ludi schaute, mit Tränen in den Augen zu mir auf und wirkte, als würde er gleich anfangen Massen an Tränen zu vergießen.

 

Darius: 「Ich lieg wohl richtig. Ich wette, die anderen aus deiner Klasse haben dich wieder geärgert, weil du wieder versucht hast, dich ihr zu nähern.」

 

Ludi nickte nur und hielt seine Tränen noch zurück.

 

Darius: 「Du solltest das ignorieren … wäre mein Vorschlag, aber ich weiß, dass es nicht leicht ist. Hmm. Selbst wenn ich dir helfen würde, wäre das keine Lösung, eswürde das Problem nur verzögern.」

 

Ludi: 「Darius, warum bist du eigentlich so nett zu mir? Nur weil wir Familie sind?」

 

Was war das bitte für eine Frage?

 

Darius: 「Nicht nur. Die Welt ist unfair, weißt du? Du glaubst, du hättest mal endlich die Chance dazu, wird dir direkt eine Wand in den Weg gestellt. Eine nicht überwindbare Wand. Ludi, diese Wände werden nicht nur dir in den Weg gestellt. Auch ich habe Blockaden, die mir meinen Weg ruinieren.」

 

Das war nunmal die Wahrheit. Ludi war eine von ihnen. Ich sorgte mich täglich um ihn, weil er sehr anfällig dafür war, geärgert zu werden. Ohne diese Sorgen, könnte ich beruhigt meinen Weg entlang gehen und das Leben genießen.

 

Darius: 「Aber Ludi, siehst du mir das an? Ich vermute nicht. Weißt du auch warum?」

 

Ludi: 「N-Nein.」

 

Die Antwort war ziemlich einfach.

 

Darius: 「Ich habe eine Familie, die mich unterstützt. Und du hast ebenso eine. Wenn du Schwierigkeiten hast, weine, aber weine nicht alleine. Weine in den Armen deiner Familie. So habe ich das immer gemacht. Auch wenn ich nicht wörtlich geweint habe.」

 

Ludi: 「A-Aber die werden doch lachen.」

 

Darius: 「Das glaubst nur du. Lache ich gerade? Lache ich dich in diesem Moment aus?」

 

Ludi: 「Nein.」

 

Darius: 「Also. Jetzt komm mit runter. Das Essen wird sonst noch kalt. Mit leerem Magen kann manProbleme schlecht  lösen.」

 

Auch wenn das so peinlich war, musste ich das sagen.

 

Ludi: 「O-Ok.」

 

Ludi rieb sich die Augen und die Tränen waren weg, dafür waren die Augen gerötet. Man konnte dennoch erkennen, dass er geweint hat.

 

Wir beide machten uns dann auf den Weg nach unten und wollten essen, aber … aber was?

 

 

Wieso kann ich mich nicht daran erinnern?

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