Chapter 6 – Ein lebhaftes Haus

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Yuna

 

Das Haus ist hell und sehr gemütlich eingerichtet. Im Hintergrund redet eine Nachrichtensprecherin, die freundlich lächelnd aus dem Fernseher zu uns blickt.

Der Tisch ist bereits reichlich gedeckt, doch trotzdem stellt die Mutter – Hinata-san – immer mehr auf den Tisch.

Als wir uns hinsetzen, stellt sie eine Karaffe mit Wasser auf den Tisch, in dem Pfirsichstückchen und Eis herumschwimmen. Boruto-kun, neben mir, greift direkt danach und will sich gerade was in sein Glas füllen, als er meinen Blick bemerkt.

Seine Wangen färben sich leicht rosa und er wendet den Blick schnell ab. Er holt tief Luft und schaut mich wieder an. „Entschuldige, das war unhöflich. Möchtest du ein Glas?”, fragt er und lächelt zögerlich. Seine Wangen sind immer noch leicht gerötet, was mich lächeln lässt. Er ist wirklich niedlich, wenn er rot wird.

„Der Saft schmeckt wirklich richtig gut, Yuna-chan! Mama macht den immer selbst und ganz frisch!”, fügt Himawari-chan hinzu, unterbricht damit meine Gedanken und hält Boruto-kun ihr Glas hin. Er schüttelt den Kopf und füllt ihr was ein.

Ich lächle ihn an. „Ich nehme sehr gerne etwas!”, sage ich und halte ihm ebenfalls mein Glas hin. Vorsichtig gießt er mir was ein, Eis und Pfirsichstückchen plätschern ins Glas. Gebannt verfolge ich wie das Wasser in mein Glas fließt, ehe ich ihm einen Blick zuwerfe und merke wie er mich beobachtet.

Als mein Blick seinem begegnet, sehe ich wie sich seine Augen weiten und sich seine Wangen erneut rosa färben. Plötzlich spüre ich wie meine Finger nass werden. „Brüderchen! Pass doch auf!”, ruft Himawari-chan und ich schaue runter. Das Glas ist übergelaufen. Meine Hand und der Tisch sind völlig nass, während Boruto-kun aufspringt und seiner aufgeregten Mutter das Küchentuch abnimmt.

„Oh verdammte Scheiße! Das tut mir leid, Yuna-chan!”, ruft er und drückt das Tuch auf den Tisch. Hinata-san reicht mir noch eins für meine Hände. „Anscheinend warst du ein bisschen abgelenkt, Brüderchen!”, sagte Himawari-chan schmunzelnd. Er wirft ihr einen sehr bösen Blick zu, ehe sich seine Wangen noch ein Stück roter färben. Sein Blick gleitet zu mir und ich lächle ihn vorsichtig an.

„Das passiert mir auch ständig…”, murmle ich, während ich mich wieder setze. Der Tisch und meine Hände sind mittlerweile wieder trocken und ich hab bereits ein neues sauberes Glas. Diesmal schenkt mir Hinata-chan was ein, ehe sie sich setzt. Das Ramen steht schon vor uns und verströmt einen sehr leckeren Geruch.

Ich warte bis sich Boruto-kun wieder hingesetzt hat, ehe ich die Stäbchen in die Hand nehme. Vor mir steht eine Schüssel mit Nudeln, Ei, Seetang und vielem mehr. Neugierig schaue ich hinein, ehe ich den Blick von Boruto-kun bemerke.  „Es schmeckt wirklich gut!”, sagt er mit einem Lächeln. „Itadakimasu!”, sagen er und seine kleine Schwester im Chor, während die Mutter versöhnlich lächelt. „Itadakimasu.”, sage ich ebenfalls und gemeinsam beginnen wir das Essen.

„Es ist wirklich sehr lecker gewesen!”, sage ich sicherlich schon zum dritten Mal, während ich Hinata-san helfe den Tisch abzudecken. Sie hatte eigentlich Boruto-kun dazu angewiesen, aber der wollte unbedingt vor seiner Schwester baden gehen. Die liebevolle Mutter mit den seltsamen Augen lächelt mich an. „Das freut mich wirklich. Boruto-kun tut immer so als wäre er es leid Ramen zu essen. Aber ich glaube schmecken tut es ihm trotzdem.”, sagt sie, während sie beginnt abzuwaschen. Aus dem oberen Stockwerk höre ich wie Boruto-kun versucht mit seiner kleinen Schwester zu verhandeln. Ein Lächeln stiehlt sich auf meine Lippen, während ich gedankenverloren nach dem Handtuch greife. Ob es hier immer so lebhaft zugeht?

„Aber Yuna-chan! Du musst mir wirklich nicht helfen! Sobald Boruto-kun fertig ist, kannst du als nächstes baden gehen. Himawari-chan braucht immer sehr lange, weswegen wir anderen immer versuchen vor ihr zu baden.”, erklärt sie mit einem schiefen Lächeln. Von oben höre ich wie das Wasser aufgedreht wird und Himawari-chan irgendwas ruft, was ich nicht verstehen kann. „Scheint, als hätte Boruto-kun gewonnen.”, murmelt Hinata-san. „Ich helfe sehr gerne mit! Wenn ich hier kostenfrei leben kann und dazu noch so liebevoll umsorgt werde, ist dass das Mindeste was ich tun kann!”, antworte ich ihr enthusiastisch und neige kurz den Kopf.

„Du scheinst eine sehr verantwortungsvolle junge Frau zu sein, Yuna-chan.”, erwidert sie und lächelt wieder. Überrascht reiße ich die Augen auf. Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Noch nie hat jemand mich verantwortungsvoll genannt.

Viele Dinge wurden gesagt, um mich zu beschreiben, das meiste war nicht besonders positiv oder liebevoll. Das ist das erste Mal, dass etwas so nettes gesagt worden ist. Schweigend trockne ich das Geschirr, dass sie mir reicht.

 

Noch immer nichtssagend lege ich den letzten Teller in den Schrank und hänge das Handtuch an den Haken. „Yuna-chan! Das Bad ist frei!”, ruft eine Stimme, nach der ich mich sofort umdrehe. Im Türrahmen steht Boruto-kun mit kurzen Hose und einem sehr eng anliegenden T-shirt. Auf seinen Schultern liegt ein blaues Handtuch, mit dem er sich die seitlichen Haare trocken reibt. Aus seiner Richtung weht ein frischer Duft nach Minze und Seife, der mein Herz schneller schlagen lässt. Sein Haar ist noch immer feucht vom Duschen und seine Wangen sind etwas gerötet, von dem heißem Wasser. Plötzlich taucht vor meinem Inneren Auge das Bild auf, dass er in derselben Wanne saß, in die ich nun soll. Ich spüre wie meine Wangen in Brand geraten und ich schnell den Blick abwenden muss. Wo kommt denn jetzt bitte dieser Gedanke her?, frage ich mich, während ich höre, dass er näher auf mich zukommt. „Beeil dich lieber. Himawari ist immer ewig im Bad und dann ist meistens kein warmes Wasser mehr da!”, sagt er mit sanfter Stimme, ehe er an mir vorbei greift. Erschrocken mache ich einen Schritt zurück und starre ihn an.

Er schaut mich leicht irritiert an und öffnet den Kühlschrank, aus dem er sich eine Flasche Wasser holt. „Meine Mutter hat dir bereits Handtücher herausgelegt. Deine Sachen sind im Gästezimmer. Komm, ich zeig dir oben alles!”, sagt er geht vor. Mein Herz schlägt immer noch schnell, aber ich folge ihm schweigend.

 

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