Chapter 5 – Ankunft bei den Uzumakis

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Boruto

 

Die Stille zwischen uns ist erdrückend, während wir den langen Gang entlanggehen. Ihre Augen schauen stur nach unten, die Tasche hält sie fest an ihren Körper gedrückt und sie spricht kein Wort.

„Magst du Ramen?“, frage ich sie plötzlich, als wir endlich am Ausgang sind. Sie hebt den Blick und schaut mich mit ihren sanften Augen an. „Wie bitte?“, fragt sie zögerlich und bleibt stehen. Ich gehe noch einen Schritt weiter, ehe ich ebenfalls stehen bleibe und mich zu ihr umdrehe. „Ob du Ramen essen magst? Meine Mutter kocht das ständig für meinen Vater, auch wenn der nie zu Hause ist. Sie hofft, dass er irgendwann in der Tür steht und mitisst.“, erkläre ich und könnte mir gleich wieder auf die Zunge beißen.

Ich rede wie ein zehn Jähriger Anfänger, der gleich anfängt zu heulen, weil sein Vater nie da ist! „Hoffst du auch, dass dein Vater kommt?“, fragt sie ganz unvermittelt. Überrascht starre ich sie an. „Wie… Wie kommst du denn darauf?“, frage ich, nach kurzem Zögern und spüre wie mein Gesicht warm wird.

Sie hebt den Blick und schaut mir direkt in die Augen. Im Licht der Laterne wirken sie dunkel, doch in ihnen brennt immer noch ein seltsames Feuer. Ihre Lippen verziehen sich zu einem kleinen Lächeln und mein Herzschlag beschleunigt sich plötzlich. „Ich hab Ramen vorher noch nie probiert!“, sagt sie schließlich und wendet den Blick ab. Ich atme tief durch, während ich gleichzeitig froh bin, dass sie das Thema fallen gelassen hat. Ich setze meinen Weg fort und spüre wie sie mir folgt.

Obwohl es schon spät ist, leuchten die Straßen noch immer hell und viele Geschäfte sind noch geöffnet. „Ist gerade ein Fest oder sowas in der Stadt? Es ist so hell hier!“, fragt sie, während sie sich staunend umschaut. Ich werfe erneut einen Blick nach hinten und muss lächeln. Ganz anders als vorhin geht sie nun völlig frei und interessiert durch die Straßen. Immer wieder bleibt sie stehen, betrachtet etwas in den Schaufenstern oder beobachtet die Verkäufer, die ihre Waren anpreisen. Ihr Gesicht strahlt und ihr Lächeln wirkt so seltsam echt.

„Nein… So ist das immer hier.“, antworte ich und stelle mich zu ihr, als sie ein paar Haarspangen betrachtet. Besonders scheint es ihr eine dunkelblaue Blüte mit goldenen Blättern angetan zu haben. „So schön…“, murmelt sie und streckt die Hand aus, um die kleinen Blätter zu berühren. „Dort wo ich herkomme, gibt es sowas schönes nicht für so jemanden wie mich…“, sagt sie plötzlich und richtet sich auf. In ihren Augen ist nichts mehr von der Fröhlichkeit zu sehen und ihre ganze Haltung zeigt ihre Traurigkeit. Ich bekomme plötzlich das Bedürfnis sie in den Arm zu nehmen und zu trösten. Aber ich kann nicht. Ich sollte mich nicht zu sehr annähern… „Komm, wir sollten gehen!“, sage ich, statt der tröstenden Worte, die ich gerne von mir geben würde. Mit der offensichtlichen Trauer in ihren Augen nickt sie und wendet sich von den Schmuckstücken ab.

Schweigend setzen wir unseren Weg nach Hause fort.

„Ich bin wieder da!“, rufe ich, als ich die Haustür öffne und Yuna herein bitte. „Entschuldigen Sie bitte die Störung.“, sagt sie kleinlaut, als ich das Licht anmache. „Willkommen zurück, Boruto! Ah, du hast den Besuch mitgebracht!“, sagt meine Mutter, die mit meiner Schwester im Schlepptau den Flur entlangkommt. Ich rieche bereits die Nudeln und muss ein Lächeln unterdrücken. „Brüderchen! Willkommen zurück!“, ruft meine Schwester und läuft auf mich zu. Seit sie die Genin-Prüfung erfolgreich absolviert hat, sieht man sie nur noch mit ihrem Stirnband, das sie so stolz trägt.

Yuna und ich ziehen unsere Schuhe aus, während meine Mutter uns Hauspantoffel hinstellt. „Mutter, Himawari, darf ich euch Yuna Uzumaki vorstellen? Papa sagte, er hat dir bereits Bescheid gegeben.“, sage ich an meine Mutter gerichtet und stelle das Mädchen neben mir vor. Diese verbeugt sich sehr tief. „Danke, dass ich in Ihrem Haus leben darf! Ich hoffe, ich bereite Ihnen keine Umstände!“, sagt sie und drückt erneut die Tasche fest an sich. Meine Mutter lächelt. „Yuna-chan… Es freut mich sehr, dich in unserem Haus begrüßen zu dürfen. Nenn mich bitte Hinata. Das ist meine Tochter Himawari.“, sagt sie und Yuna richtet sich auf. „Vielen Dank, Hinata-san! Es freut mich dich kennen zu lernen Himawari-chan!“, sagt sie und lächelt meine Schwester an, die näher tritt.

„Boah, hast du schöne Haare!“, sagt diese und bestaunt das lange, rote Haar meiner Begleitung. Meine kleine Schwester kommt noch näher und nimmt eine Strähne in die Hand. „Himawari! Das macht man nicht!“, schallt meine Mutter, während meine Schwester eine Schnute zieht. „Aber es ist so hübsch!“, antwortet sie ihr, ehe sie die Strähne wieder loslässt. Yuna lächelt versöhnlich. „Ach… Das macht mir nichts aus!“, sagt sie und strahlt meine Schwester an.

Ihr Lächeln wirkt echt und überhaupt nicht mehr vorsichtig. Und irgendwie bringt es mich dazu ebenfalls zu lächeln. „Das Essen ist fertig, kommt herein und wascht euch die Hände!”, sagt meine Mutter und kehrt ins Wohnzimmer zurück. Himawari nimmt Yuna bei der Hand und führt sie ins Bad, während ich den beiden schweigend folge.

 


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