Chapter 08 – Ein Geschenk

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Yuna

 

Das heiße Wasser ist wohltuend für meine Muskeln, die ich schon den ganzen Tag angespannt habe. Tief seufzend lehne ich mich gegen den Badewannenrand. Ich schließe die Augen und lasse den Tag an mir vorbeiziehen. Plötzlich kommen mir seine Augen in den Sinn. Blau, wie der strahlende Sommerhimmel.

„Du musst ihn dazu bringen nicht mehr ohne dich leben zu wollen! Bring ihn dazu, dich zu lieben…”, sagt meine Großmutter zu mir. In dem großen Saal ist es kalt und dunkel, draußen liegt bereits Schnee. Der Boden unter mir ist hart und ich muss an die unzähligen Bestrafungen denken, die er miterlebt hat. „Du bist nicht sonderlich hübsch… An dir ist nichts besonderes… Aber vielleicht kannst du ihn durch Stärke und Willenskraft überzeugen dich zu seiner Frau zu machen.”, fügt sie hinzu und runzelt die Stirn.

Ich spüre, wie die Wachen neben ihr mich anstarren. Seit Wochen verfolgen sie mich mit ihren Blicken.

„Hast du mich verstanden!?”, schreit sie mich an und ich zucke unter der Gewalt ihrer Worte zusammen. „Ja, Großmutter…”, antworte ich demütig, während ich meinen Kopf tiefer runterbeuge. „Vergiss nicht, dass unser Clan davon profitiert. Es ist deine Bestimmung. Du bist die einzige Tochter… ”, führt sie fort. „Ja, Großmutter… “, murmle ich. Seit meiner Geburt bin darauf vorbereitet worden. Mein rotes Haar fällt nach vorne und verdeckt meine linke Gesichtshälfte. Sie ist blau, lila und tut schrecklich weh. Es wird noch dauern, ehe ich nach Konoha aufbrechen kann. Mein Lehrer hatte es mit seiner üblichen Bestrafung übertrieben. Deswegen war meine Großmutter besonders erbost. Doch Schuld… war ganz alleine ich. „Hier ist ein Bild von ihm… Sein Name ist Uzumaki, Boruto!”, sagt sie und wirft mir ein Foto zu. Augen, wie der blaue, strahlende Sommerhimmel schauen mich an.

 

In meinem Inneren bildet sich ein schmerzhafter Knoten. Er ist ein Teil meiner Mission. Ich bin die Einzige, die diese Mission erfüllen kann. Aber wie soll ich das schaffen, wenn ich keine Ahnung habe, wie ich mit Männern umgehen soll.

In unserem kleinem Dorf war es den Männern nicht gestattet mit mir zu sprechen, deswegen konnte ich nicht sonderlich viele Erfahrungen machen. Ich lasse mich tiefer ins Wasser gleiten. Mit meinen Händen ziehe ich meine Beine fester an meine Brust. Diese Augen… Sie verunsichern mich. Doch ich darf nicht versagen! Ich balle meine Hände zu Fäusten und starre ins Wasser.

 

Nach einiger Zeit beende ich mein Bad und streife mir meine Schlafsachen über. All meine Kleidung ist neu, extra für diese Mission wurde ich völlig neu eingekleidet. Die Hose ist schwarz und kurz. Nur spärlich bedeckt sie meine Beine. Das Oberteil hat dünne Träger, die meine Schultern nackt wirken lassen. Irgendwie fühle ich mich allgemein seltsam nackt in diesen Sachen.

Plötzlich klopft es an der Tür. „Yuna-chan? Ist alles in Ordnung?”, fragt eine junge Frauenstimme vorsichtig. Langsam öffne ich die Tür und sehe Himawari-chan vor mir stehen. „Ich wollte dich nicht stören, aber Mama hat sich Sorgen gemacht…”, murmelt sie, während sie meine Kleidung betrachtet. Ich kann spüren wie meine Wangen rot werden. „Ich… Ehm… Diese Sachen…”, beginne ich, aber weiß nicht genau, wie ich mich erklären soll. „Sind das nicht deine Sachen?”, fragt sie und schaut mich lächelnd an. „Nein… also doch… Aber ich hab sie mir nicht ausgesucht.”, sage ich und könnte mir gleich auf die Zunge beißen. Himawari-chan schaut mich einen Augenblick lang an, ehe sie nickt.

„Warte einen Augenblick lang hier!”, sagt sie und zieht die Tür wieder zu. Überrascht mache ich einen Schritt zurück.

Ehe ich was tun kann, höre ich wie sie an eine Tür klopft und leise was besprochen wird. Meine Ohren sind gut, aber das Zimmer muss weiter weg sein vom Bad, denn ich kann nur heraushören, dass sie wohl mit Boruto spricht.

Einen Moment später klopft es wieder an der Badtür. Vorsichtig öffne ich sie und sehe Himawari-chan mit einem kleinen Stapel T-shirts in den Armen vor mir stehen. „Darf ich reinkommen?”, fragt sie und ehe ich was entgegnen kann, hat sie sich an mir vorbeigeschlichen. „Ich hab Boruto-nichan nach ein paar T-shirts gefragt, die du tragen könntest. Ich hab ihm gesagt, dass du nichts zum Schlafen hättest und wir ja nicht wissen, ob Papa das in Ordnung findet, wenn wir einfach eins von seinen nehmen. „Hier!”, sagt sie und hält mir ihre Fracht hin.

„Er sagt, du kannst sie gerne behalten!”, fügt sie hinzu, während ich nach dem obersten greife. Es ist ein rosafarbenes mit einem V-Ausschnitt. Ich muss dem Impuls unterdrücken daran zu riechen, obwohl ich schon den sanften Duft nach Minze gerochen habe.

„Danke!”, sage ich und drehe mich um. Das T-shirt ist mir etwas zu groß, doch ich fühle mich sofort besser. Himawari hat während ich mich umgezogen habe, die Augen geschlossen, die sie nun wieder öffnet. „Super! Das scheint besser zu sein!”, sagt sie lächelnd. „Ich würde jetzt wirklich gerne baden.”, fügt sie hinzu. „Oh, natürlich!”, sage ich und raffe meine Sachen zusammen. Sie lächelt mich an, während ich das Bad verlasse und den Flur betrete. Die Tür von Boruto-kun ist verschlossen… Doch selbst, wenn sie geöffnet wäre, wüsste ich nicht was ich sagen sollte.

Leise schleiche ich zu dem Gästezimmer, was nun mein Zimmer sein wird.

 

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