Chapter 1 – Ein Team…?

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Boruto

 

„Mission ausgeführt.“, sage ich in mein Mikro, während ich den Knopf drücke und die dämliche Katze fester im Genick packe. „Sehr gut, Boruto! Bleib, wo du bist! Wir sind gleich bei dir!“, antwortet mir Konohamaru-Sensei etwas außer Atem, ehe typische Knackgeräusche ertönen und die Verbindung abbricht.

Ich hole tief Luft und versuche den Krallen der sich wild um sich schlagenden Katze immer wieder auszuweichen. „Wieso muss ich eigentlich noch Katzen fangen, wenn ich schon ein Chunin bin?“, frage ich mich selbst, ohne eine Antwort zu verlangen.

Ich schließe die Augen und versuche den Ärger, der sich in mir breit macht zu ignorieren. „Ganz einfach! Seit dein Vater Hokage ist, herrscht Frieden zwischen den Nationen. Wir sind einfach überbesetzt!“, antwortet mir eine mir sehr bekannte Frauenstimme und als ich mich umdrehe, sehe ich meine Team Kameradin Sarada, die zusammen mit Mitsuki, auf mich zuläuft.

„Du hättest ruhig auf uns warten können, du Angeber!“, sagt sie mit erhobener Faust, der ich nur knapp ausweichen kann, als sie bei mir ankommt. Mittlerweile sollte man sich vor ihren Fäusten in Acht nehmen. Ich habe die unglaublichen Kräfte ihrer Mutter mit eigenen Augen gesehen und würde wirklich nur ungern Bekanntschaft mit derselben Kraft machen.

„Ihr hättet euch auch einfach beeilen können!“, entgegne ich ziemlich mutig und reiche Mitsuki das fauchende Ding mit ausgestreckter Hand. Nur mit Mühe bekommt er die Katze unter Kontrolle, ohne dass sie sein Gesicht zerkratzt. Sarada stemmt die Hände gegen die Hüfte und stellt sich aufrechter hin. Ihre dunklen Augen fixieren mich, ehe sie mit ihrer Schimpftirade beginnt. „Seit du von deiner Reise mit meinem Vater zurück bist, bist du noch schlimmer geworden, als vorher! Du hältst dich für den absoluten Überflieger und bist super eingebildet! Du hast keine Ahnung, wie man in einem Team arbeitet, du Schwachkopf!“, schreit sie los, während sich ihre Augen in den berühmte Sharingan verwandeln. Bei Wut kann sie es nur schwer kontrollieren, so kann ich wenigstens erkennen, dass sie wirklich sauer ist. Dieses Temperament hat sie von ihrer Mutter. Onkel Sasuke war viel beherrschter und würde sich nicht so laut über etwas ärgern.

„Vielleicht will ich auch gar nicht in einem Team arbeiten! Alleine komme ich stets besser klar!“, entgegne ich ihr ruhig, obwohl ich innerlich schon wieder am Brodeln bin. Sie seufzt und betrachtet mich mit einem Blick, als wäre ich ein lästiges kleines Kind. Ich hasse es, wenn man mich so ansieht! Schon als Kind habe ich das gehasst.

Die Wut in mir macht sich Luft und ich kann nicht mehr an mich halten.

„Die Mission ist erfüllt! Was ist dein verdammtes Problem!?“, rufe ich aus und wende mich von ihr ab. Ich habe keine Lust mehr auf Diskussionen. In meinem Rücken kann ich ihren Blick spüren, wie er mich durchbohrt und verurteilt. Ich höre wie sie Luft holt, aber ich komme ihr zuvor.

„Ich gehe!“, sage ich leise, ehe ich ein paar Schritte in die entgegengesetzte Richtung gehe, aus der die beiden gekommen sind. Auf keinen Fall will ich jetzt noch Konohamaru-sensei treffen.

„Hey Boruto!“, sagt Mitsuki, doch den Rest bekomme ich nicht mehr mit, denn mit einem geschickten Sprung bin ich bereits wieder auf den Weg zurück ins Dorf.

 

„Willkommen zurück! Wie war deine Mission?“, fragt mich Mutter, als ich wenig später durch die Haustür trete. „Langweilig!“, antworte ich, während ich meine Schuhe ausziehe und mich direkt der Treppe zuwende. Ich kann aus dem Wohnzimmer meine kleine Schwester Himawari hören wie sie lautstark telefoniert. Aufgeregt erzählt sie, dass sie bald eine Mission in Sunagakure hat, auf die sie sich schon freut.

„Ach Boruto? Dein Vater hat angerufen und gesagt, du sollst bitte sofort ins Hokage-Büro kommen, wenn du zurück bist!“, ruft mir meine Mutter hinterher, doch ich verschließe bereits die Tür zu meinem Zimmer.

Mittlerweile ist die Sonne untergegangen und mein Zimmer liegt im Dunkeln vor mir. Viel hat sich verändert seit meiner Reise. Damit ich ein größeres Zimmer bekomme hat mein Vater extra eine Wand einreißen lassen. Mein Bett ist mit mir zusammen gewachsen, genauso wie der Rest meiner Sachen. Schweigend stelle ich mich vor den großen Spiegelschrank. Meine Augen schauen mich selbst an. Ich bin kein Kind mehr.  Saradas Worte schießen mir durch den Kopf. „Du hast keine Ahnung, wie man im Team arbeitet, Schwachkopf!“  Vielleicht will ich das auch gar nicht wissen.

Vor etwa drei Monaten bin ich von meiner Reise mit Onkel Sasuke zurückgekehrt. Es war fast so, als hätte all mein Training, all meine Bemühungen und all die Stunden der Arbeit gar nichts gebracht. Sarada ist mittlerweile ein Medizin-Ninja und Mitsuki führt geheime Missionen im Auftrag der Ältesten durch. Nur ich, bin immer noch nur Boruto. Noch immer kann ich meinem Vater nicht das Wasser reichen. Ich balle meine Hand zur Faust und kneife die Augen zusammen. „Vielleicht will ich auch nicht in ein Team mit solchen Schwächlingen!“, rufe ich aus und meine Stimme hallt in meinem Zimmer wieder.

„Boruto!?“, ruft meine Mutter mit besorgter Stimme, ehe ich ihre Schritte auf den Stufen höre. Ich will ihr besorgtes Gesicht nicht hören. Ich will nicht hören, dass alles wieder gut wird und dass ich mir selbst Zeit geben soll um mich an all die neuen Umstände zu gewöhnen. Schnell laufe ich zum Fenster und reiße es auf. Die kühle Nachtluft trifft mein erhitztes Gesicht und ich atme sie gierig ein. Als sie an meine Zimmertür klopft, bin ich bereits aus dem Fenster gesprungen und auf dem Weg zum Hokage.

 

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